September 2010

Die Entwöhnung von der Beatmung ist für Heike schwerste Arbeit. Bei allen Erfolgen kommt es immer auch wieder zu Rückschlägen; das ist bei dieser komplexen Behandlung nicht ungewöhnlich.
Man hat uns gesagt, es wird lange dauern ...
Detlef Heesch  

August 2010

Eine Lungenentzündung hat Heike im Verlauf des Juli in ihren Fortschritten aufgehalten; als Folge der notwendigen Medikamentengaben sind dann auch noch Entzündungen der Speiseröhre und Magenschleimhaut hinzugekommen. Trotzdem kommt die Entwöhnung von der Atemunterstützung langsam voran.
Zeit wird zur Summe bewältigter Tage, Zuversicht und Verzagen liegen nah beieinander, das Wort 
G e d u l d  klingt provozierend ...
Detlef Heesch

Juli 2010

Nachdem bleierner Stillstand im Heilungsprozess zur Mitte des Monats Schlimmes befürchten ließ, ist während der vergangenen zwei Wochen endlich eine deutliche Verbesserung der Funktion Heikes neuer Lunge zu beobachten. Sie kann phasenweise ohne Unterstützung selbst atmen, ihre Mobilität ist jetzt soweit fortgeschritten, dass Heike sich ein wenig bewegen und mit der Hand schreiben kann.
Nicht mehr ganz sprachlos.
Es ist vorgesehen, sie in den kommenden Tagen von der herzchirurgischen Intensiv- auf eine andere Station zu verlegen, um bei der Entwöhnung von der Beatmungsmaschine weiter voran zu kommen.
Ich bin zuversichtlich, dass Heike den nächsten Beitrag an dieser Stelle wieder selbst schreiben kann.
Ein langer Weg.
Detlef Heesch

Juni 2010

Heike ist in der Nacht zum 14. Mai transplantiert worden. Ihr Zustand ist kritisch, ein Ödem hatte sich im Spenderorgan entwickelt. In der endlos langen Zeit seitdem ist es gelungen, die Ansammlung von Flüssigkeit und damit die Schwellung der Lunge allmählich zu reduzieren, die Lungenfunktion zu verbessern und den Thorax endlich zu schließen (30. Mai).
Ein wenig besser. Kleine Schritte. Geduld.
Nach der Intubation verläuft die Beatmung jetzt über einen Zugang direkt in die Trachea. Heike ist wach und klar, sie kann die Lippen bewegen, aber nicht sprechen. Zum schreiben ist sie noch zu schwach. Sprachlos. 
Warten auf die nächsten kleinen Schritte.
Detlef Heesch

Mai 2010: über die Dinge, wie sie sind (und wozu meine Vorstellung nicht mehr und dennoch reicht)

Haben Sie sie auch gesehen? Diese unglaublich faszinierenden Bilder des isländischen Vulkans mit dem schönen Namen Eyjafjallajökull? Mit Verlaub, aber ich war nicht ganz so gut auf Vulkane zu sprechen! Die Folge, nämlich das europaweite Flugverbot wegen der Luftbelastung durch Aschestaub, der gefährlich unter anderem für die Triebwerke von Flugzeugen ist, galt natürlich auch für Organtransporte. Ich konnte nicht verhindern, dass ich Gedanken hatte wie „Was, wenn ausgerechnet jetzt vielleicht ein Organ in, sagen wir, Österreich zur Verfügung steht?“. Die hätte nach Hamburg eingeflogen werden müssen, weil das Zeitfenster für einen Transport per Bahn oder sonstwie nicht ausreicht. Aber bei Flugverbot geht auch das natürlich nicht. Organe wie Herzen oder Lungen können dann nur regional vergeben werden. Mir fielen also buchstäblich isländische Lavabrocken vom Herzen, als der Flugraum wieder geöffnet wurde!
Ansonsten: Die Sehnsucht hört weder auf noch wird sie weniger, je mehr Zeit vergeht. Nun ist schon Mai, und nie, wirklich nie habe ich mir anfangs (alb-)träumen lassen, dass die Wartezeit auf eine Spenderlunge so lange dauern würde. Neulich am Sonntag bin ich mit meinem Mann zum ersten Mal in diesem Jahr „richtig“ draußen gewesen; mit dem Rollstuhl machten wir eine lange Spazierfahrt rund ums Krankenhausgelände. Es war wunderbar frühlingshaft warm, blauer Himmel, die Sonne strahlte; nur saß mir die ganze Zeit ein richtig dicker Kloß im Hals, denn auch diesen Spaziergang haben wir uns im Herbst letzten Jahres, als wir genau diese Runde zum letzten Mal drehten, bevor es draußen zu kalt wurde, etwas anders vorgestellt: Im Herbst nämlich glaubten wir tatsächlich noch fest daran, dass ich genau diesen Weg beim nächsten Mal schon mit neuer Lunge und auf eigenen zwei Füßen gehen würde – und eben nicht aus der Rollstuhlperspektive erleben müsste. Momentan gibt es immer seltener Momente, in denen ich es mir tatsächlich vorstellen kann, dass sich das, wonach ich mich sehne, auch tatsächlich erfüllen könnte: ein ganz normales Leben wieder haben. Mein Leben. Außerhalb eines Krankenhauses.
Kleiner wird auch die Angst nicht; jetzt ist da nicht mehr nur die Angst vor der OP, vor einer ungewissen Zukunft nach der OP, hinzu kommen so langsam auch Gedanken, ob ich die Zeit bis dahin überhaupt körperlich überstehe.
Ich fühle mich zunehmend sprachlos.
Deswegen diesen Monat kurz und knapp: Am 8. Mai findet im Kulturhof Dulsberg das 5. Dulsberger MaiRauschen statt: Lesung und Kunstausstellung zum Thema „HerzFlugZeit“. Ich bedaure es zutiefst, nicht vorlesen, ja, noch nicht einmal im Publikum sitzen zu können. Wie in jedem Jahr gibt es zeitgleich das Buch zur Lesung (für mehr Infos siehe PS). Darin finden Sie dann auch meinen Text „Die Dinge, wie sie sind“. (Und hier auf dem Schreibtisch.) Der Text, als Geschichte, beschreibt sicherlich viel intensiver einen Teil der Emotionen der ganzen langen letzten Monate als ich mich das hier im Blog jemals getraut hätte zu sagen.

April 2010: von Wolkenfängern, Erdverbundenheit und brutalen Zeitschleifen



John Updike schrieb einmal, Schreiben sei eine illusorische Befreiung, eine vermessene Zähmung der Wirklichkeit, eine Möglichkeit, das Unerträgliche leicht und heiter darzustellen und dass man im Morgenlicht zügig, ohne die geringste Beschleunigung des Pulses über das schreiben könne, über das man im Dunkeln nicht einmal nachdenken könne, ohne Zuflucht bei Gott zu suchen.
Wenn ich heute Morgen aus dem Fenster blicke, sehe ich blauen Himmel, nicht mal ein einziges Schäfchenwölkchen irgendwo. Die Sonne strahlt und reflektiert sich in den Fenstern des gegenüberliegenden Gebäudes. Auf dem Tisch bei mir im Zimmer steht seit Wochen ein Strauß Forsythien, knallgelb die Blüten, wunderschön, und oben an den Spitzen wachsen schon grüne Blätter. Der Winter hat, so scheint es, endlich seinen frostigen Mantel ausgezogen. Der Frühling ist nah. Und so gern ich ihn sonst begrüßt habe, den Frühling, so sehr ich auf Zeichen in der Natur gewartet habe, auf erste Schneeglöckchen und Krokusse, später Narzissen, auf bunte Primeln und Tulpen in den Läden, auf die ersten grünen Blätter an den Bäumen draußen – in diesem Jahr begegne ich all dem mit ziemlich gemischten Gefühlen. Wenn ich ehrlich bin: Ich will jetzt gar keinen Frühling, wollte ich den ganzen März über schon nicht. Es schmerzt, es schmerzt unermesslich, körperlich, auch noch den Frühling, das Wiedererwachen der Natur, hier in Warteposition zu verbringen. Im Juni letzten Jahres kam ich hier an, erlebte den Sommer, einen heißen Sommer, den Herbst, der auf einen langen und „richtigen“ Winter vorbereitete und in dem ich noch Hoffnung hatte, vielleicht, ganz vielleicht das Weihnachtsfest oder das Neue Jahr schon wieder zu Hause oder wenigstens in der Reha begrüßen zu dürfen. Und nun haben wir Ende März und die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, Ostern steht vor der Tür – und ich liege immer noch hier. Da verliere ich schon manchmal den Mut, das dürfen Sie mir gerne glauben.
Da fällt es auch schwer, hier in der Gegenwart zu bleiben, in der jeder Traum den Alb schon in sich trägt, jede Hoffnung die Enttäuschung, jeder Wunsch die Versagung. Schreiben in dem Sinn, wie John Updike es oben verstand, brachte mir in den letzten Wochen tatsächlich vermeintlich „Erleichterung“. So sehr es mir half, hier in der Gegenwart zu bleiben, genauso brachte mich Schreiben wieder einmal an Grenzen (Ist es o.k., hier auf der Grenze zwischen Leben und Tod zu sein und innigste Liebesgeschichten zu schreiben? Sollte ich nicht eher meinen Verstand beieinander behalten und –  ja, was eigentlich? Auf welche tatsächlichen und vermeintlichen Grenzen stolpere ich denn nun schon wieder?) – und auch die Frage taucht auf, welche Grenzen ich noch überschreiten darf. In mir oder um mich rum. Wenn Sie hier klicken und weiter lesen, lesen Sie das, was vielleicht wieder die eine oder andere überschreitet. In mir oder um mich rum.

März 2010 - Schnee im Frühling und weinende Krokodile



Im März 2007, Sie können es unten nachlesen, wenn Sie wollen, hatten wir bereits Frühling, einen wunderbaren Frühling und ich stellte eine Liebesgeschichte für Sie online. Der März 2008 war, soweit ich mich zurückerinnere, ziemlich kalt und verregnet, aber ich war gerade aus einem Frühlingsurlaub auf Madeira zurückgekehrt und freute mich darüber, dass ich für die ein Jahr zuvor entstandene Liebesgeschichte einen Preis erhalten hatte. In besagtem Urlaub allerdings wurde mir – beim Bergaufwandern – zum ersten Mal deutlich bewusst, dass „irgendwas“ mit meiner Lunge ganz und gar nicht in Ordnung sein konnte.
Wie das Wetter im März 2009 war? Ehrlich gesagt kann ich mich daran nicht erinnern, denn der März gehörte zu den Monaten, die ich stationär verbringen musste, und nicht nur stationär sondern größtenteils bettlägerig, nachdem die Lunge mehrmals kollabiert und von alleine nicht wieder zu stabilisieren war. Im letzten März also realisierte ich, dass Zeit tatsächlich zählbar geworden war. Schon damals war klar, dass für mich, wollte ich überhaupt eine Chance auf (Wieder-mein-)Leben haben, über kurz oder lang eine Lungentransplantation der letzte und einzige Weg sein würde. Seitdem hat sich vieles verändert und ändert sich noch.
Meine Hoffnung für März 2010 war, dass Sie ganz andere Zeilen von mir hier lesen. Ich hatte welche vorformuliert, Mitte Februar schon, Hamburg lag zu diesem Zeitpunkt noch in tiefem Schnee (siehe Bilderleiste oben). Und zwar vorformuliert für den Fall, dass ganz auf einmal doch eine Spenderlunge zur Verfügung gestanden hätte, ich transplantiert worden und danach nur noch nicht rechtzeitig wieder fit genug gewesen wäre, um meinen monatlichen Beitrag zu schreiben.
Dies ist aber leider nicht so, und deshalb lege ich Ihnen jetzt ohne weitere Worte noch einen meiner neuen Texte auf den Schreibtisch: „Wenn die Krokodile weinen“. Behutsame Wörter um große Gefühle.
Heike Hartmann-Heesch  
Nachtrag: Ich bedanke mich bei Literaturinterpretin und Autorin Rena Larf, die am 12.03. um 11.00 Uhr meinen Text „Im Winter trägt man morgens um 6 keine Sonnenbrille“ auf 1000mikes.com – Das Hamburger Literatur-Radio präsentiert. Hören Sie doch mal rein!

Februar 2010 – ohne Umwege
„Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen. Ich schulde ihnen noch mein Leben.“ (Frederike Frei)



Gefühle sichtbar machen. Zeigen, wie es in mir aussieht. Zeigen, wie ich mich sehe, wenn ich genau hingucke. Das hat diese Illustration von Ralf Wasselowski geschafft. Und zwar ohne den Umweg über Wörter. Ohne Erklärungen. Das ist für mich eine ganz neue Erfahrung: das Gefühl, mich nicht erklären zu müssen und, wahrscheinlich viel wesentlicher und essenzieller, auch nicht zu wollen, auch nicht vor mir und für mich selbst, sondern einfach nur hinzugucken und zu sehen. Dafür ist weder die Entstehungsgeschichte der Illustration wichtig noch der Kontext, in den Wasselowski sie gestellt hat (zu seinem Gedicht „Die Grenze zur Entschiedenheit“).
Was ich sehe, jedenfalls, sind keine Monster (okay, ein paar Fratzen und Kobolde sind schon dabei). Was ich auch sehe: wie gleichsam ein Gefühl dem anderen entspringt, aus ihm geboren wird, wie sie zusammengehören.
Was ich nicht sehe, für den Moment, ist Angst. Für mich bedeutet das: Ich muss mich nicht fürchten vor dem, was ich in mir trage. Ich muss mich nicht vor meinen Gefühlen fürchten. Ich brauche mich nicht bedroht zu fühlen.
Ich bin.
So einfach.

Januar 2010: Sterne, Stürme – und Zeit, die stillsteht
Ich möchte am Anfang dieses neuen Jahres zwei Kunstwerke mit Ihnen teilen. Ein Bild, das mein Mann vor vielen Jahren einmal auf der Elbe fotografiert hat und ein Gedicht, das auf der Rückseite einer Postkarte gedruckt steht, die ich mit Weihnachtsgrüßen erhielt. Und mehr brauche ich nicht, um die Stimmung wiederzugeben, mit der ich ins Neue Jahr gehe.
Ich hoffe, Sie folgen mir!

RUDERN ZWEI

Rudern zwei
ein boot,
der eine
kundig der sterne,
der andre
kundig der stürme,
wird der eine
führn durch die sterne,
wird der andre
führn durch die stürme,
und am ende ganz am ende
wird das meer in der erinnerung
blau sein

Reiner Kunze
(aus: frühe gedichte, aufgenommen in R. Kunze, gespräch mit der amsel, 
© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main)

Ich wünsche ein wunderbares 2010 voller Sterne und Stürme. Wenn Sie Lust haben, sich mal wieder einen Text von mir anzuhören: vom 12. Januar an unter www.weblesungen.de: „Die Zeit steht still“ – was sie natürlich niemals tut, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Viel Spaß.

Dezember 2009 – Vielleicht Antworten auf die Frage, was wir uns nicht wünschen

Das Schwierige ist nicht, nicht mehr zu wissen, was ein Liter Milch im Supermarkt kostet. Das Schwierige ist auch nicht, mich zu fragen, ob ich noch ganz bei Sinnen bin, wenn ich mich dabei ertappe, E-Mails an eine große Modefirma zu schreiben, um sie auf grobe grammatische Schnitzer in Texten einer ihrer Online-Werbekampagnen aufmerksam zu machen oder wenn ich Rechenaufgaben löse, die mir vermeintlich verraten, wie es um meinen IQ bestellt ist, nur um meinen Kopf von anderen Grübeleien abzuhalten, wenn ich gerade nichts zu arbeiten habe. Als richtig schwierig empfinde ich momentan noch nicht einmal das Warten auf den Tag unbekannten Datums, an dem endlich die Tür aufgehen, (vermutlich) einer der Ärzte hereinkommen und sagen wird: „Wir haben eine Spenderlunge für Sie. Nun geht es los.“, weil sich meine Angst vor dem Danach inzwischen potenziert hat und mir die Situation des Wartens hier dagegen so verdammt vertraut ist. Ich habe mich arrangiert. Schwierig ist die Angst. Nie in meinem Leben war so viel Angst mein ständiger Begleiter, und unabhängig davon, dass es mir meistens ganz gut gelingt, die Angst mit ins Boot zu ziehen, kann ich sie doch schwer annehmen, weil ich ja noch nicht einmal genau sagen kann, wovor ich mich denn so fürchte, ich kann es immer nur umschreiben mit „der Situation nach der OP“. Wird alles „gut gehen“? (Und was heißt „gut gehen“?) Wie wird mein Leben danach aussehen? Es ist immer nur so ein vages Gefühl von „worst case“, das ich in Kopf und Bauch habe. Nicht immer bin ich ruhig genug, alles auf mich zukommen zu lassen und Tag für Tag zu leben.
Und manchmal muss ich selbst da ein bisschen zynisch grinsen, denn ich habe zurzeit nicht oft das Gefühl zu leben. Oft genug fühlt es sich eher an, als sei ich ein einsamer Autobahnrastplatz, an dem das Leben manchmal für einen Moment Pause macht, um danach mit Vollgas weiterzubrausen und schon nach wenigen Momenten sogar den Namen des Rastplatzes vergessen zu haben. Dies Bild ist bitter und traurig, ich weiß, trotzdem trifft es. Schwierig ist es auch, diese Bitterkeit zu ertragen, spricht daraus doch so große Enttäuschung und ja, auch Selbstmitleid: Wo sind sie, die Menschen, die vorher gesagt haben „Wir stehen das mit dir durch. Wirst schon sehen, wir wechseln uns ab und geben uns die Klinke in die Hand.“ (Das ist O-Ton.) Oder: „Ob ich mit dir zu Hause einen Kaffee trinke oder in der Klinik, ist doch egal.“ (Das auch.) So große Enttäuschung! Ja, ich weiß, es ist hinlänglich bekannt, dass sich in solch Ausnahmesituationen gerade im engeren privaten Bereich die Spreu vom Weizen trennt, nur hätte ich nicht gedacht, dass es so extrem einsam, dass ich so extrem allein sein würde. Für alle anderen da draußen geht eben das Leben ganz normal weiter. Düsterer November, letzte Herbsturlaube, erste Weihnachtsvorbereitungen. Gleichzeitig bin ich damit horrend ungerecht, denn es gibt eine Handvoll Menschen, die da sind (und einen, der es immer ist). Die ich regelmäßig sehe und an deren Leben ich weiter teilhaben kann, weil sie mir erzählen, vom Leben, von kleinen Glücksgefühlen und großen Ungerechtigkeiten, von tieftraurigen Momenten und hoffnungsvollen Aufbrüchen, von gelangweilter Gleichförmigkeit und ebenfalls unsagbar schmerzhaften Enttäuschungen, von kleinen Problemen und Lebensentscheidungen. Und nach deren Besuch ich mich trotzdem nicht des Rastplatzgefühls erwehren kann. Gerade dann nicht! Denn: Ich bin eben nicht da. Nicht vor Ort. Nicht präsent. Mir muss man alles erzählen. Ich erlebe nichts mit. Habe eben doch nicht richtig teil. (Und das seit nunmehr einem Jahr fast am Stück!)
Ungerecht bin ich, weil ich natürlich weiß, dass ich hier schön in meinem Muspott gefangen bin. Ich bin nur hier. Alle meine Gefühle hier sind Gratwanderungen und gleichzeitig Schritte in 7-Meilen-Stiefeln, aus denen schon fast eine gewisse Arroganz erwächst: Was interessieren mich Milchpreise? Viel dringlicher ist es, morgens die Schmerzen in den Griff zu kriegen.
Mitunter noch schwieriger ist das Gefühl auszuhalten, dass ich meinerseits anscheinend nicht viel tun kann, um für andere da zu sein. Ein paar Mal habe ich in E-Mails Sätze lesen müssen wie „Ach, damit wollte ich dich nicht belasten.“ Nein? Oder war damit eher gemeint: „Lass gut sein, du kannst da eh nichts tun von deinem Krankenbett aus.“ Nicht? Schade. Ich kann vieles ganz besonders gut hier. Still sitzen und zuhören zum Beispiel. Zulesen übrigens auch. Was ich auch gut kann, ist schreiben. Wenn ich den Eindruck habe, jemand fragt nicht nur einfach so „Wie geht es dir?“ sondern „Wie geht es dir wirklich?“ Dann lege ich los. Komme vom 100sten ins 1000ste, offenbare mich. Das geht meist nach hinten los, denn selten bekomme ich Antwort. Bin ich vielleicht die Schwierigkeit, weil ich Krankheit öffentlich mache? Wäre es einfacher (und wenn ja, für wen?), ich hätte vor einem Jahr gesagt „Ich bin dann mal weg“ und würde, wenn alles vorbei ist, mit einem Buch über Lungentransplantation zurückkommen? Bin ich schwierig, weil ich auch keine fertigen Antworten darauf habe, ob so was alles in der Schöpfung überhaupt vorgesehen ist?
Und dann ist da Wut. Manchmal ist es so schwierig, wütend zu sein. Wie streite ich mit meinem Partner, wenn es für keinen von uns möglich ist, mal für 10 Minuten die Küchentür hinter sich schließen zu können, um danach ins Wohnzimmer zurückzukehren und (vielleicht) um Verzeihung zu bitten? Oder um weiter zu streiten?
Wie gehe ich mit dem Gefühl um, undankbar zu sein, wenn alle „es doch nur gut meinen“?
Neulich haben mein Mann und ich angefangen, einen „Wunschzettel“ mit umgekehrten Vorzeichen zu erstellen: also aufzulisten, was wir uns ganz bestimmt nicht mehr wünschen im Moment. Mir fiel als erstes eben oben erwähnter Satz ein „Ich meine es doch nur gut …“. Den möchte ich nicht mehr hören. Und mein Mann wünscht sich keine Engelfiguren mehr. Von niemandem.
Er hat Recht. Wir haben so viele. Alle von Menschen, die es gut meinen. Die Trost spenden wollten, als sie sie uns schenkten. Sind wir jetzt undankbar? Ungerecht? Unhöflich gar? Nein, beschließe ich, das sind wir nicht.
Wir fühlen uns nur auch – hilflos oft. Traurig. Verunsichert. Allein in unseren Hoffnungen und unserer Aggression. In unserer Liebe, in unserem Aufbrausen und nicht zuletzt in unserer Angst. All dies liegt nah, ganz nah beieinander. Und alles darf nebeneinander sein, in unserer Demut, unserer Zuneigung und unserem Respekt gegenüber dem Leben und den Menschen, die einfach nur immer noch da sind, in lauten und vor allem den leisen Stunden.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2010. Es wird ein Gottesgeschenk sein, denn es verheißt Leben.
Heike Hartmann-Heesch

November 2009 – Kälte, Mond, Frühlingsvögel und andere Veränderungen

Es ist jetzt schon längst dunkel draußen, wenn wir uns abends auf den letzten kurzen Spaziergang des Tages begeben. Heute ist es den ganzen Tag diesig und grau gewesen, aber am späteren Nachmittag wurde es zunehmend windig und der Himmel klarte auf. Du schiebst meinen Rollstuhl bis ans östliche Ende des Krankenhausgeländes. Drei Bänke stehen hier. Vom Folgetag meiner stationären Aufnahme an sitzen wir, oft mehrmals täglich, schon die ganze Wartezeit über hier für eine Weile. Diese kleine Oase hinter Büschen, Sträuchern und kleinen Bäumen, sogar ein Apfelbaum ist darunter, ist anfangs, von Juni den Sommer über, ein Ort des Rückzugs innerhalb des trubelvollen Areals für uns gewesen, ein Platz, an dem wir Augenblicke zusammen allein sein konnten. Erzählen. Uns anlehnen. Marienkäfer zählen, Schneckenhäuser wiedererkennen und Libellen beobachten. Schauen, aber selbst nicht angeschaut werden. Kraft schöpfen. Oder manchmal auch, mein Kopf an deiner Schulter, miteinander schweigen. Im September kamen Gärtner und machten Kahlschlag: stutzten die Bäume, rissen Sträucher raus und schnitten alle restlichen Büsche auf geschätzte 1m Höhe.
Jetzt aber ist es eh dunkel und eigentlich auch schon zu kühl, um lange auf der Bank zu sitzen, aber wie schon ein paar Mal zuvor bemerke ich die Kälte, die von unten meine Hosenbeine hoch kriecht, erst, als du plötzlich und leise Ist dir kalt? fragst.
Siehst du das? fragst du eine Weile später in die Dunkelheit hinein, die gar nicht mehr so dunkel wirkt, wenn man in den Himmel blickt. Was? antworte ich. Na, den Mond! sagst du. Schau doch mal, sagst du, siehst du nicht, dass er ganz komisch schief am Himmel hängt heute Abend? Stimmt, lächele ich und greife nach deiner Hand, er hängt sogar ziemlich schief da oben!
Hörst du das? fragst du dann in die Stille hinein, die in meinen Ohren gar nicht still ist. Je ruhiger die Außenwelt, desto stärker nehme ich das Rauschen des Sauerstoffs in der Sauerstoffbrille wahr, das unerbittlich lärmt im Kopf. Hörst du das? fragst du erneut und drückst meine Hand. Ja, sage ich und wundere mich ein wenig. Laut sind die, sagst du, und ich nicke in die Dunkelheit, ja, das finde ich auch. Durchdringend laut, sagst du. Haben die immer so laut gezwitschert? will ich wissen. Nein, antwortest du, erst jetzt, ist dir das noch nicht aufgefallen? Seit die Bäume ihre bunten Blätter verlieren, klingen einige der Frühlingsvögel befremdlich laut, sagst du und warm und sicher umschließt deine Hand die meine.

Ich halte die Luft an. Ängstigen auch sie sich? frage ich dich endlich, fast ein bisschen atemlos.
Ich weiß es nicht, sagst du irgendwann später, so leise, dass ich es kaum vernehmen kann: Ich weiß es doch nicht.

Oktober 2009 

Es ist spannend zu beobachten, sagt der Kopf, welche verschiedenen emotionalen Phasen ich durchlebe in dieser stationären Wartezeit auf eine Spenderlunge. Vom Pendeln zwischen den Extremen mit Angst und Hoffnung über eine forsche Sprachlosigkeit, die Heimweh und Abschiede weder formulieren noch zeigen sondern nur im ganz Geheimen (nach)fühlen kann über eine Zeit des unbeirrbaren Optimismus zu einer Zeit des Rückzugs und der Abgrenzung. Momentan sind Stillstand, der zermürbt; Unruhe, die auffrisst; Reibung, die treibt.
Jede Phase schmerzt anders, sagt der Bauch – und er fühlt und fühlt und kommt doch nicht hinterher und packt vor lauter Unzulänglichkeit kleine Gefühlsschächtelchen, Gefühl rein, Deckel drauf, ab in den Schrank zur Aufbewahrung. Aber gemeinerweise gibt es vielerlei kleine Krankenhausmonster, die sitzen in den Regalböden der Schränke und fressen mit Vorliebe kleine Löcher in ebenjene Gefühlskartons. Pappsatt halten sie sich dann die Bäuche und beobachten die einzelnen Gefühle, die sich dann durch die Löcher wieder nach außen quetschen und mich manchmal übermannen und die Aufmerksamkeit erzwingen, die ich zu verweigern suche.
Und einmal mehr krame ich all meinen Mut zum Durchhalten zusammen, um den Monstern anderes entgegenzusetzen, auf dass die Gefühle aufgefangen werden mögen: alte Weggefährten, langjährige Begleiter und neue Freunde, Liebgehabtes, Zartes und Geknuddeltes; Beobachter, Beschützer und Bewahrer.
Ich wünsche einen Oktober, in dem Fragen beantwortet, Monster gebändigt und Gefühle bewahrt werden können – und Wünsche in Erfüllung gehen mögen.

September 2009

Früher, ganz viel früher, habe ich immer gedacht, wie schön es sein muss, wenn man so frei sein könnte, nur mit dem zu leben, was man direkt um sich rum hat. Wenn man nicht mehr braucht als das, was man bei sich tragen kann. Früher dachte ich da natürlich an Reisen nur mit Rucksack, Wohnen auf dem Sprung, ohne feste Wurzeln. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich weder das eine noch das andere je richtig, also ernsthaft, ausprobiert habe, weil ich ganz schnell gemerkt habe, dass ich wohl nicht der Typ Schnecke bin. Ich habe sofort mit dem Einzug in meine erste eigene Wohnung ein paar Wochen nach dem Abitur versucht, aus dieser Wohnung mehr zu machen als nur ein Dach über dem Kopf, nämlich ein Zuhause. Meine damaligen Freundinnen schüttelten die Köpfe und rollten mit den Augen, tobten sich aus in WGs und fremden Städten. Viele Jahre später erst wurde mir klar, warum das so war: Alle meine Freundinnen konnten, wann immer und von wo auch immer zurückkehren, zurückkehren in das Haus ihrer Kindheit, zu ihren Eltern (oft noch beiden Elternteilen!), in unsere Stadt. Wurzeln eben. Viele hatten, einige haben bis heute, noch ihre alten Zimmer, in denen heute manchmal schon Enkel übernachten, wenn sie Oma und Opa besuchen. Bei mir war das anders: Mein Auszug damals hatte etwas Endgültiges, denn der Haushalt, wie ich ihn damals mit meiner Mutter und Schwester hatte, löste sich auf. Meine Mutter heiratete erneut (in einer anderen Stadt), meine Schwester begann zeitgleich eine Ausbildung (ebenfalls andere Stadt) und ich begann nach Praktikum und ein bisschen Jobberei mein Studium. Ebenfalls in einer anderen Stadt. Wohnen aber blieb ich vorerst in der Stadt meiner Kindheit, meiner Jugend. Wenigstens das! Das ließ sich bewerkstelligen, weil ich pendeln konnte zur Uni. Es blieb das Gefühl: Alle anderen hatten noch ein Zuhause, ich musste erst mal wieder eines schaffen.
Aber mal ehrlich: Welch ein Wahnsinn, nur, weil ich mich nicht trennen, nicht loslassen, nicht richtig Abschied nehmen und neu, für mich, anfangen konnte. Das nämlich passierte erst ein Studium, zweimal Ausland, einmal Referendariat und wieder Jobben, sechs Wohnungen in vier verschiedenen Orten und alles in allem 12 Jahre später. Zu Hause fühlte ich mich während dieser ganzen Jahre nie; nie wirklich. So fühlte ich erst, als ich nach Hamburg kam. Hier hatte ich sofort das Gefühl, angekommen zu sein. Dazu brauche ich immer noch mehr als ein Dach über dem Kopf, nämlich vor allem den einen Menschen, der dieses Zuhause mit mir teilt und die restliche Handvoll Menschen, die dies zu Hause sein mit mir leben und lebenswert machen. Dazu brauche ich Gegenständliches, Bücher, Möbel, aber auch Abstrakteres: Farben, Gerüche, Licht, Stimmungen: Wie es ist, wenn ich den Schlüssel zur Wohnungstür umdrehe an einem heißen Sommertag und mich das lichtdurchflutete Wohnzimmer empfängt, wie anders es ist, wenn ich während eines ordentlichen Regengusses zu Hause in meinem Ohrensessel sitze, das Fenster weit geöffnet ist und der Regen prasselt und die Luft nach nasser Erde aus dem Vorgarten duftet. Wie es ist, morgens aufzuwachen und den ersten Kaffee des Tages zu kochen. Wie das duftet. Das Gefühl, zu Hause zu sein und ein Zuhause zu haben, könnte ich jetzt noch weiter in epischer Breite ausführen, lasse es aber tunlichst. Aber gerade jetzt im Moment schöpfe ich enorme Kraft aus diesem Gefühl, weil ich hier jeden Abend weiß, was und warum ich es so vermisse und wie unendlich doll ich mich darauf freue, irgendwann diese Pforten des Krankenhauses hinter mir lassen zu können und wieder dort zu sein. Zu Hause. Und bis das so sein wird, mache ich einen auf Schnecke. Reduziere mich in meinem Umfeld auf das Wesentliche. (Und es ist eine gute Erfahrung zu erleben, dass ich das kann!) Ich möchte dies Krankenzimmer nicht heimelig gestalten. Es ist (und soll auch bleiben) eine Übergangsstation auf dem Weg zurück nach Hause. Ich möchte es hier nicht gemütlich haben. Ich möchte nicht möglichst viele Dinge von zu Hause hier haben, die mich erinnern. Ein paar wenige, ja, kleine Gegenstände, ja, aber wirklich reduziert.
In mir trage ich mein Zuhause sowieso. Und weil ich weiß, weil ich fest daran glaube, auch geografisch dahin zurückzukehren in einem Zustand, der mich darin auch wieder gut leben lässt, kann ich diese jetzige Situation (meist) ganz gut ertragen.
Am 04.09. stellen Ihnen Beate Finkenzeller, Wolfgang A. Gogolin, Claus Günther, Yvonne Naumann, Sabrina Schauer, Tatia Schirrmacher und ich mein neues Buch auf einer Lesung hier im UKE vor (Ausgesprochenes). Ebenfalls dabei: Gitarrist Matthias Fehlberg.
Ich wünsche Ihnen einen zuhausigen Monat, wo immer Sie sich auch gerade befinden.
Heike Hartmann-Heesch

August 2009



Ich konnte nie besonders gut warten. Ich werde z.B. immer ziemlich böse, wenn jemand zu einer Verabredung zu spät kommt. Dann aber gibt es wenigstens einen Termin, einen festen, und ich kann böse werden, wenn jemand den nicht einhält (und, nein, ich möchte jetzt nicht darüber diskutieren, dass man auch „sinnvoll“ warten kann!). Mein jetziges Warten, das belastende stationäre Warten auf eine Spenderlunge und damit mein Gefühl für Zeit bekommen eine andere Qualität: Es gibt keinen festen, abgesprochenen Termin, nur ein paar statistische Werte; ein Spenderorgan könnte übermorgen zur Verfügung stehen oder erst in sieben Monaten, Tendenz eher letzteres. Es geht mir nicht sonderlich gut (physisch), aber trotz allem auch noch nicht wirklich schlecht (psychisch). Viele Tage gleichen einander sehr, nur ich gleiche mir immer weniger. Trotzdem halte ich mich ganz gut, vor allem hoffe ich, unbeirrbar zu bleiben. (Dies Wort brachte ein ehemaliger Freund neulich auf den Tisch, als er mir zum Schluss in einer Mail innere Ruhe und Unbeirrbarkeit wünschte – und nicht: gute Besserung. Das fand ich sagenhaft, da haben wir fast 25 Jahre keinen Kontakt und dann wünscht er mir Unbeirrbarkeit. Toll!) Allerdings merke ich deutlich, dass (und was) von Woche zu Woche weniger geht; und so ändert sich nicht nur mein Gefühl für zeitliche Relationen sondern auch für Verhältnismäßigkeiten: Was betrauere ich, das nicht mehr geht und was hake ich einfach ab? Wie kann ich meinen kleinen Kosmos hier funktionieren lassen (sprich: Wie mache ich mich unsichtbar, um nicht unnötig oft aufzufallen und wie schreie ich gleichzeitig am lautesten, um bloß nicht überhört zu werden)? Wie gesagt, vieles geht nicht mehr wie früher, und selbst in wirklich guten Momenten sitze ich hier nicht und schreibe einen Arztroman (Traum meiner schlaflosen Nächte!) oder ein Drehbuch für eine neue Krankenhaussoap. Nee, nee, schön wärs. Die Idee zu „Dr. House“ hatte leider der kanadische Drehbuchautor, Produzent und Regisseur David Shore lange vor mir – und die kann ich eh nicht toppen. Auch an einem Erfahrungsbericht arbeite ich nicht – dafür erfahre ich vielleicht momentan einfach zu viel?!
Etwas Neues zu lesen kann ich Ihnen außer dem im letzten Monat erschienenen Buch „Zwischen den Schatten“ also zurzeit noch nicht bieten. Aber anhören können Sie mich mal wieder. Wie auch schon beim letzten Mal war ich so klug und weise
J und habe einen Text für die Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde eingelesen, bevor ich ins Krankenhaus ging, auf dass etwas bleibe, für die Zeit, während ich hier liege und in der ich es nicht mehr oder wenigstens nicht mehr so gut kann, atemtechnisch gesehen. Das merkt man leider auch schon ein bisschen bei „Zum Meer Klammer auf in 4 Bildern Klammer zu“. Ein bisschen nur und somit macht es nicht viel. Vom 04.-10. August anzuhören unter www.weblesungen.de. Danach dann dort im Archiv oder hier auf dem Schreibtisch. Ich bedanke mich bei Organisator Rüdiger Käßner und wünsche angenehme 8 Minuten irgendwas.
Den 04. für den nächsten Monat, September, können Sie auch schon einmal vormerken, denn dann werde ich mein neues Buch vorstellen. D.h., nicht ich, das schaffe ich nicht (ich wiederhole mich: atemtechnisch gesehen), sondern einige meiner tollen Hamburger Autorenkollegen werden es für mich tun, hier vor Ort, hier im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Im „Raum der Stille“. Dazu später im Monat Genaueres unter Ausgesprochenes. Schauen Sie also noch mal rein hier.
Ich wünsche einen guten Monat.

Juli 2009: Neue Welten
Und ein Nachtrag vorweg (10.07.)
Nun ist es also da. Rechtzeitig genug, um noch als Urlaubslektüre mit eingepackt zu werden:  Mein neues Buch „Zwischen den Schatten“, das ich Ihnen hiermit sehr ans Herz lege. Schreiben Sie mir doch mal ein paar Zeilen, wenn Sie es gelesen haben. Eine Leseprobe finden Sie auf dem Schreibtisch, im nächsten Monat auch eine Hörprobe, und alle weiteren Details wie immer unter PS. Angenehme Lektüre!

Stichworte für diesen Monat: Abschied. Heimweh. Würde, meine Würde wahren, das ganz besonders! Im Moment jedoch fühle ich mich ziemlich  sprachlos. (Kaum vorzustellen, nicht wahr?) Deswegen schweige ich jetzt erst mal und versuche, die kommende Zeit ganz anders zu, tja, leben. Und mir dabei vielleicht sogar ein paar kluge Gedanken mache, was ich auf der Papiersinfonie ändern kann. Ich möchte das Archiv rausschmeißen und durch eine andere Rubrik ersetzen, um nicht immer die ganze Heimat-Seite mit den LungenFortRückSeitSchritten zu füllen sondern diese wieder für das nutzen kann, für das sie ursprünglich mal geplant war: Ankündigungen neuer Texte, Bücher, Lesungen und vielleicht mal kleine Anekdoten. Ich lasse mir was einfallen. Warten Sie es ab.
Für die Zeit. Die nie stillsteht.
Haben Sie einen guten Monat!
Mit Puste, die hoffentlich nie ausgeht

Juni 2009: Den Himmel berühren

Als so ziemlich das Schwerste an meiner momentanen Situation des Wartens, des Harrens, des Aushaltens empfinde ich das Schwanken, das Pendeln zwischen Extremen. Zwischen guten Momenten und ganz schlechten Tagen. Zwischen Verzweiflung und doch wieder immenser Hoffnung. Zwischen abgrundtiefer Angst und völliger Ruhe. Zwischen Selbstmitleid und Mut. Zwischen Trotz und (vermeintlichem) Pragmatismus. Zwischen Betrauern eines Lebens, das war und nicht mehr so ist, wie es eben war und der Erkenntnis, dass das, was war, schon ziemlich, ziemlich gut gewesen ist und dem Gefühl, dies nie genügend zu schätzen gewusst zu haben. Anerkannt zu haben. Genossen zu haben vielleicht auch. Ich realisiere, wie sich Wichtigkeiten verschieben. Wie früher Selbstverständliches einen ganz neuen Stellenwert bekommt.
Was mich trägt, jetzt, jeden Tag neu, ist Liebe. Was mich hält, sind Gefühle von Dankbarkeit und Demut. Und eine fast unaussprechliche Sehnsucht, den Himmel und das Licht zu berühren und zu halten. Ganz fest zu halten. Immer wieder. Es geht. Kommen Sie, versuchen Sie es mit mir.
Pusten Sie. Recken, strecken Sie sich. Lassen Sie sich treiben. Ruhen Sie. Umarmen Sie.
Leben – ist alles.

Mai 2009: Kleine Oasen
Ich stelle diesen Monat für mich unter das Motto „kleine Oasen“. 
Seit fast 10 Jahren lebe ich in einem der schöneren Stadtteile in einer der schönsten Städte der Welt. In einer Parterrewohnung in einer ruhigen Tempo-30-Zonen-Einbahnstraße. Mit ein bisschen Rasen und Hecke vor den Wohnzimmerfenstern. Und Rosenbüschen und einer kleinen Kastanie, die leider so nah an die Fenster ranwuchsen, dass der Platz für eine nutzbare Terrassenfläche nicht da war: Zwischen Fenstern und Rosen war es gerade breit genug für ein paar schöne Terracottatöpfe mit Kräutern und Tomatenpflanzen. Machte ja auch nichts, ein kleiner Weiher samt Park war nah für sommerliche Sonnennutzung zur gesunden Teintbildung. War nah, ebenfalls in Anführungsstrichen. Denn für mich ist er jetzt unerreichbar, den Weg dorthin schaffe ich allein nicht mehr. Aber wie es der Zufall (?) so wollte: Der vorvergangene Winter war nass, sehr nass, bis auf einmal über Nacht die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt sanken, dort eine Woche verharrten und die Nässe an den Rosenbüschen gefror. Das hat ihnen grundsätzlich nicht geschadet, allerdings haben sie aber ihr Gewicht verlagert und sind schwer abgesunken Richtung Straße. So blieben sie auch, nachdem das Eis getaut war. Im letzten Jahr passte deswegen schon ein Stuhl auf die Fläche zwischen Rosen und Fenstern. 
Und dies Jahr? Nun, mit ein bisschen Nachhelfen (entsprechendes Schneiden) und Verlegen von ein paar alten Platten habe ich jetzt direkt vorm Fenster eine kleine Oase. Passend für einen Liegestuhl plus einen weiteren Stuhl. Sauerstoffversorgung nach drinnen inklusive. Ich kann also raus, wenn ich möchte. Ein bisschen Sonne und Vitamin D tanken. Ohne Rollstuhl, ich klettere einfach durchs Fenster, das kriege ich gerade so hin. Klasse, oder? Heimzukommen nach fast 6-monatigen fast ununterbrochenen Klinikaufenthalten in einen April mit diesem Wetter, und dann auch einfach draußen sein zu können, haben mir entsprechend gut getan! Helfen natürlich nicht unbedingt bei den Entscheidungen, die jetzt anstehen, helfen aber grundsätzlich dabei, mir immer wieder, tagtäglich, andere kleine Oasen zu schaffen für die Momente, in denen ich sie dringend benötige. Ähnlich wie die kurzen, guten Momente am Schreibtisch, die ich auch fast jeden Tag erleben darf.
In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen einen Mai voll mit kleinen Oasen. Eine davon kann ich Ihnen anbieten und mit Ihnen teilen: Die 4. Dulsberger MaiRauschen-Lesung gleich am 2. Mai. Unter Ausgesprochenes. Ich werde dort sein, trotz (oder gerade wegen!) aller Handicaps. Und viele meiner tollen Kollegen auch. Lassen Sie sich das nicht entgehen. Das Buch zur Lesung gibt’s wie jedes Jahr zeitgleich, diesmal zum Thema „Nachspiel“. Hier unter PS.

April 2009: Ist Vergessen auch eine Form von Erinnern?
Ich fasse mich diesen Monat (verhältnismäßig) kurz, obwohl ich selbstredend wieder einen Roman schreiben könnte, erspare Ihnen die negativen Entwicklungen und nenne Ihnen die positiven Veränderungen: Meine Stimme ist wieder da. Kein Aprilscherz. Einfach so. Ich wachte eines Morgens in Rostock auf der Intensivstation auf und krächzte plötzlich lauter und nicht mehr so heiser. Am nächsten Tag kamen meine Worte nicht mehr so gepresst. Und am Tag drauf sprach ich wieder fast normal. Jemand, der mich nicht kennt, würde sicherlich bloß denken, ich sei ein bisschen verschnupft. Gott sei Dank. Ich kann mich wieder äußern. Wieder laut sein und Laut geben. Gott sei Dank. Sie werden mich also wieder lesen hören! Das ist ein Versprechen.
Dann habe ich es immerhin ohne erneuten Lungenkollaps nach erneuten 4 1/2 Wochen Klinik schon mal bis in eine Reha geschafft und wachse bislang täglich mit meinen Aufgaben, indem ich vieles fast von Grund auf neu lerne: stehen, laufen, mich bewegen, alleine duschen und natürlich atmen – und fühle mich zum ersten Mal seit Mitte November, als lebte ich wieder. Ein bisschen. Gott sei Dank! Wie ich „leben“ merke? Ganz einfach: größtenteils durch die Anstrengung, die ich bei den kleinsten Kleinigkeiten spüre. Wenn ich Muskelkater habe, nur weil ich 15 Minuten Armgymnastik gemacht habe. Erstaunlicherweise sind meine Beine ziemlich fit, auch wenn diese seit Mitte November ja fast ausschließlich eines getan haben, nämlich nichts. Eine neue Lunge habe ich natürlich noch nicht. Und es braucht schon ein bisschen Übung und auch ich nenne es mal Geschicklichkeit, sich zu bewegen, wenn man immer einen Schlauch mit sich schleppt, an dem man entweder mobil oder stationär mit einem Sauerstoffgerät verbunden ist. Und es, das können Sie sich munter vorstellen, ist überaus übel, durch die Nase atmen zu müssen, wenn man sich einen grippalen Infekt zugezogen hat und die Nase dicht ist! Wie auch immer, Sie werden mich also nicht nur wieder lesen hören sondern auch lesen sehen. Auch dies ist ein Versprechen, denn ich habe nicht vor, mich zu verstecken! Ignorieren Sie dann doch bitte einfach den Sauerstoffschlauch in meiner Nase, das mobile Sauerstoffgerät und reichen Sie mir eine Hand, um auf die Bühne zu kommen – dann kann ich den Rollator unten stehen lassen. Eitelkeit grüßt. Die Ankündigungen unter Ausgesprochenes.
Und weil ich es besser auch nicht ausdrücken kann, um was es diesen Monat, früher sowieso und zukünftig auch immer wieder, geht, hier ein Zitat aus Katharina Hagenas wunderbarem Buch „Der Geschmack von Apfelkernen“. Eine Besprechung dazu reiche ich Ihnen nach.

„Wurden nur die Menschen vergesslich, die etwas zu vergessen hatten? War Vergesslichkeit einfach nur die Unfähigkeit, sich etwas zu merken? Vielleicht vergaßen die alten Leute gar nichts, sie weigerten sich nur, sich Dinge zu merken. Ab einer bestimmten Anzahl von Erinnerungen musste es doch jedem zu viel werden. Also war Vergessen auch nur eine Form des Erinnerns. Würde man nichts vergessen, könnte man sich auch nicht an etwas erinnern. Das Vergessen war ein Ozean, der sich um Gedächtnisinseln schloss. Es gab darin Strömungen, Strudel und Untiefen. Manchmal tauchten Sandbänke auf und schoben sich an die Inseln, manchmal verschwand etwas. Das Hirn hatte Gezeiten.“

Ich wünsche Ihnen einen guten April. Mit vergessen und erinnern. Und immer wieder: mit atmen und leben.

März 2009: Wenn Zeit zählbar wird

 
Es geht um Grenzen. Und Grenzerfahrungen. Weshalb?
Nun: Die rechte Lungenseite hält nicht. Nach dem letzten Krankenhausaufenthalt nur genau eine Woche. Gerade angekommen in der Reha an der Ostsee kollabierte sie erneut, Mitte letzten Monats. Deswegen liege ich in diesem Moment, in dem ich dies schreibe, auch nicht in Hamburg in der Klinik sondern in Rostock. Wieder an Drainagen, wieder unter Sog. Fast möchte ich schreiben, das gleiche Spiel wie zuvor … seit Monaten … zum 3. Mal nun … wenn ich mir dabei nicht langsam blöde vorkäme, das so zu schreiben. Ja, wirklich, blöde. Soll ich dies hier etwa als Editorial verkaufen, wenn es eigentlich nicht mehr ist als ein bestenfalls sentimentaler (nach Mitgefühl fragender) Blog? So was wollte ich nie! Interessiert es Sie überhaupt?
Es geht um Grenzen. Grenzen des Aushaltens. Grenzen der Mut- und oft Hoffnungslosigkeit. Grenzen des Glaubens. Und ich kann mich nur wiederholen: Versagt die Lunge als elementares Organ für Leben, für Atem, für genug Atem, geht es um Entscheidungen, die mich ziemlich überfordern. Aber Entscheidungen, die ich früher oder später treffen muss und die auch niemand anders treffen kann und darf. Eine neue Lunge gibt es weder im Supermarkt zu kaufen noch bei e-Bay zu ersteigern. Denn auch darum geht es: Grenzen des Lebens. Es geht um Endlichkeit. Es geht darum, dass die Sanduhr von dem Moment an, in dem man sie umgedreht hat, abläuft. Darum, dass Zeit zählbar wird. Und das ist kein Spiel mehr. Freud war der Ansicht, das Gegenteil von Spiel sei nicht etwa Ernst, sondern Wirklichkeit, und dass Menschen in der Spielwelt unbewusst danach trachten, Situationen zu meistern, die ihnen in der Lebenswirklichkeit Schwierigkeiten bereiten. In diesem Sinn ist Spiel also nicht nur das Gegenteil von Wirklichkeit, sondern auch Spiegel, auch Projektionsfläche. Aber wo befinde ich mich derzeit? Wo kann ich ansetzen? Was wiegt schwerer - das Geschenk, dass ich 5 Schritte gehen kann, ohne Atemnot zu bekommen? 5 Schritte!!! Oder der Verlust, nicht einmal mehr 20m mehr gehen zu können, ohne fast zusammenzubrechen? Vor 4 Monaten konnte ich noch Rad fahren. Auch hier geht es um Grenzen. Um Verschiebungen. Um Ziele. Um Umdenken. Um Umblicke, rück- und vorwärts. Um Wertigkeiten. Im Dezember habe ich mich fast noch ein bisschen lustig gemacht über die Sauerstoffschläuche in den Nasen von „Dr.-House-Patienten“ im TV – jetzt benötige ich selbst einen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, zu Hause, in der Klinik, beim Essen, beim Tippen, beim Fernsehen gucken, auf dem Klo und beim Küssen erst recht. Darum geht’s auch: um Brutalität. Realität. Um verschlossene Türen und die Zweifel, die manchmal als Gelegenheiten an diese Türen klopfen und die nicht das Ziel, sondern die Hilfsmittel sind. Wenn ich sie annehme. Annehmen kann.
Und wieder geht es auch um Schönheit und Ganzheit(lichkeit). Um die Ambivalenz aller Dinge. Genau die finden Sie – wieder einmal – in den Fotos von Ute Leser. Wenn Sie sich trauen, genau hinzuschauen. Ich habe mich getraut und ich fühle große Dankbarkeit, dass ich mich ihrer Fotos bedienen darf; oft drücken diese genau die Gefühle aus, für die meine Worte nicht annähernd hinlänglich sind. Manchmal sind ihre Bilder Ergänzung. Manchmal Unterstützung. Aber immer: Bereicherung.
Eine Bereicherung wird auch das neue Buch meines Kollegen Sven-André Dreyer sein, das diesen Monat erscheint. Im letzten Jahr habe ich Ihnen sein 2. Werk „Langsamland“ vorgestellt, und ich bin aufgeregt-gespannt auf sein neues: „Freizeichen“. Sobald ich es habe lesen können, werde ich es für Sie besprechen. Denn ich spüre, dass es (für mich) ein Mutpunkt sein könnte. Und ich vielleicht für einen Augenblick meine momentanen Grenzen vergesse. Auch darum geht es: Um Fallenlassen und Festhalten.
Hier ansonsten neu auf dem Schreibtisch: Die ganz kurze, aber für mein neues Buch titelgebende Erzählung „Zwischen den Schatten“ aus dem letzten Jahr. Zwischen dem Thema da und meinen heute liegen Welten. Und doch sind es nur ein paar Monate.
Ich wünsche Ihnen einen guten Monat. 
Atmen Sie. Leben Sie. Verästeln Sie sich. Pieksen Sie. Blühen Sie.
Heike Hartmann-Heesch  
 

Februar 2009
Ich hatte so gehofft, Ihnen diesmal ein richtig frohes, vielleicht sogar fröhliches Editorial schreiben zu können … Soll wohl leider nicht sein – obwohl ich versuche, es hoffnungsfroh wenigstens zu schreiben. Also, kurz und knapp: Doch, die kollabierte linke Lungenhälfte ist prima stabil geblieben. Alle Narben sind wunderbar verheilt. Nur: Kurz darauf, Mitte Januar, kollabierte die rechte Lungenhälfte. Plopp. Einfach so, genau so wie zuvor die linke. Nun liege ich seit Mitte des letzten Monats wieder in der Klinik, the same procedure as last year, nur mit allen Problemen auf der anderen Seite. Wieder Drainagen, wieder unter Sog, wieder OP, jetzt immer noch Drainagen und die Hoffnung darauf, die erste der Drainagen bald ziehen zu können. Bald. Ganz bald, bitte.
Was mir so sehr am Herzen liegt jetzt: Ich würde gern versuchen, „mit meiner Lunge noch mehr Hand in Hand zu gehen“. Anders geht es doch nicht, oder? Ich würde ihr gern so was sagen wie „Hey, ich tue jetzt alles, damit es dir gut, wenigstens nicht schlechter, geht; ich rauche nicht mehr, ich mache Atemtherapie, ich versorge mich noch mit zusätzlichem Sauerstoff, um die Sättigung schön hoch zu halten, ich habe nun schon sechs Wochen Kortisontherapie hinter mir, ich liege hier nicht wie ein Häufchen Elend, ich sauge jede positive Kleinigkeit auf, die mir widerfährt (und das sind viele am Tag!) – könntest du dann vielleicht versuchen, nicht wieder zu kollabieren? Uns die Chance zu geben, dass wir es gemeinsam schaffen?“
Ich habe dies eine Bild hier, das ich wieder einmal von Ute Leser geschenkt bekam (ein dickes Dankeschön!) – sehen Sie die Engel-Flügel? So zart, verästelt, voll Hunger strecken sie sich aus nach Leben – und doch, als Bild meiner Lungenflügel, gleichzeitig so vernarbt, so löchrig, rufen sie nach Leben.
Ein schönes Bild, in seiner Ambivalenz.
Und ich möchte mit meiner Stimme kommunizieren. Ihr sagen, wie toll es wäre, wenn ich auch wieder laut sein dürfte. Meine Gedanken nicht mehr nur flüstern könnte. Meine Wünsche, meine Sehnsüchte. Auf dass ich gehört würde. Aber wer weiß, manchmal liegt ja auch gerade in der Stille des Wortes die Kraft. Aber wohin dann manchmal mit der Wehmut, der Traurigkeit, die kommt und geht, wenn ich z.B. ältere eingelesene Texte von mir anhöre? Werde ich mich wieder so mitteilen können? Für Sie lesen können? Sprechen? Aussprechen?
Ich wünsche Ihnen einen Monat mit genug Luft: Zum Atmen, zum Kopffreipusten, zum Sprechen, zum Leben.
Hier neu auf dem Schreibtisch: „Mücken“, eine kurze Erzählung aus dem letzten Jahr. Eine neue Besprechung unter Lesezeichen reiche ich Ihnen nach. Und unter PS können Sie schon einmal einen Blick werfen … auf das Neue. Das neue Buch.

Januar 2009

Verbringt man sechs Wochen im Krankenhaus, von denen man drei Wochen das Bett nicht verlassen kann, bleibt auf jeden Fall eines: Zeit. Zeit zum Nachdenken, Zeit für Besinnung darauf, was wirklich wichtig ist. Kann man dann noch nicht einmal sprechen, findet man  andere Möglichkeiten der Kommunikation, um  sich verständlich zu machen, und es bleibt: Dankbarkeit. Dankbarkeit für kleine liebevolle Gesten, Dankbarkeit gegenüber Menschen, die einen nur ansehen und wissen, was man benötigt. Versagt die Lunge als elementares Körperorgan für Leben, bleibt sie auch nach einer erneuten OP über lange lange Tage nicht von alleine stabil, bekommt das den Beigeschmack einer Entscheidung, die man selbst scheinbar nicht mehr in der Lage ist zu treffen. Wenn dann, buchstäblich von einer Minute zur anderen, die medizinischen Apparaturen anzeigen, dass auf einmal doch keine Luft mehr in den Pleuraspalt gelangt und damit die Ausdehnung der Lunge nicht mehr verhindert, sodass diese für die Atmung doch vielleicht wieder zur Verfügung steht, kann man schon ein bisschen paranoid werden und möchte am liebsten alle drei Minuten nachschauen, ob dem auch tatsächlich so ist, weil man es fast nicht glauben kann und die Angst vor Enttäuschung, vor Rückschlag, so immens groß ist – und dann scheue ich mich nicht, die  Worte kleines Wunder in den Mund zu nehmen. So habe ich es empfunden. An jedem der Tage, an denen die Drainagen gezogen waren und meine Lunge wieder alleine in der Lage war zu arbeiten. Zu atmen. Zu leben. Mir Leben zu schenken. Wie gebrochene Erde, aus der das Leben neu erwachsen darf.
Was bleibt, ist die Angst, dass dieser Zustand nicht zu halten sein wird. Damit lerne ich jetzt umzugehen. Und, in großer Dankbarkeit und auch ein bisschen Demut, um ein weiteres kleines Wunder zu beten, obwohl das sogar vielleicht schon ein bisschen vermessen anmutet: dass auch meine Stimme wiederkommen möge.
Hier neu auf dem Schreibtisch: Der kurze Text „Gott und ich oder: Enten füttern verboten“.

Ich wünsche Ihnen ein friedvolles, gesundes Jahr 2009 mit vielen kleinen oder größeren  Wundern. Mit dem Vertauen darauf, dass auch Regenschauer ihr Gutes haben, da nach ihnen oft neues Wachstum möglich ist. Mit dem entsprechenden Sonnenschein.
Mit der Gewissheit, dass es für alles seine Zeit gibt.

Heike Hartmann-Heesch
 

Dezember 2008
Bislang dachte ich, das Schlimmste, das einer Autorin passieren könne, sei eine Schreibblockade. Schreibblockade, pah! Peanuts! Ich weiß jetzt, was schlimmer ist: Keine Stimme mehr zu haben! Momentan kann ich nur flüstern -  und selbst das Flüstern klingt noch heiser. Wie soll ich je wieder vorlesen können? frage ich mich im Moment ziemlich verzweifelt.
Warum ich nur noch flüstern kann? Hm. Nun, mach einer Routineuntersuchung (Bronchoskopie) im Krankenhaus kollabierte meine sowieso schon angeschlagene Lunge (deshalb ja die Untersuchung)  – allerdings erst drei Tage später, als ich schon aus dem Krankenhaus entlassen war, zu Hause auf den Befund wartete, der ca. eine Woche später kommen sollte und ich mich arg wunderte, dass es mir stündlich schlechter als besser ging.
Dann kam Atemnot.
Und dann versagte die Stimme.
Ich also zurück ins Krankenhaus, Notaufnahme und binnen einer Stunde lag ich auf dem OP-Tisch. Und nun bin ich ohne Stimme und bettlägerig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der linken Seite zwischen zwei Rippen die Drainage, die meine Lunge wieder dazu bringen soll, auf normale Größe „zurück zu wachsen“, auf der rechten Seite die ganzen Braunülen für Antibiotika, Kochsalzlösungen und weiteren Infusionen. Nicht zu vergessen das Sauerstoffschläuchchen in der Nase (und hinter den Ohren festgeklemmt), welches bei „Dr. House-Patienten“ immer so nett dekorativ ausschaut. Ich kann Ihnen versichern: Es ist weder dekorativ noch nett – nur eben manchmal gesundheitlich verdammt nötig. Und: Mein Aktionsradius beschränkt sich momentan also auf ca. einen Meter rund ums Bett.
Also: Wie gut, dass ich die Erzählung „Heimkehr“ für die Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde schon im Oktober eingelesen habe. Die können Sie sich dann vom 16.-22.12. unter www.weblesungen.de anhören. Danach dort im Archiv. Und natürlich neu hier auf dem Schreibtisch zum Selbstlesen. Oder auch in der Anthologie „Weihnachtsgeschichten für Erwachsene“ (siehe PS). Unter PS ebenfalls neu: Das Mohland-Jahrbuch 2008.
Ihnen jetzt wünsche ich erst einmal eine friedvolle Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Start für 2009. Ich mache mich jetzt rar, kümmere mich um meine Lunge und komme im neuen Jahr zurück: Hoffentlich gesund (wenigstens gesünder), auf jeden Fall aber mit neuer Energie, einem neuen Buch und hoffentlich mit gewohnter ALTER Stimme.
(Was für ein Roman! Goethe wars, glaub ich, der gesagt haben soll: Ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen).

November 2008
Im Herbst des vergangenen Jahres waren mein Mann und ich eine Nacht zu Gast auf der Burg Hornberg (ja, die, auf der auch Götz von Berlichingen 45 Jahre seines Lebens verbrachte). Dabei entstand dieses Foto. Schauen Sie genau hin, was dort fleucht und flattert ... Schöne Einstimmung auf den November, nicht wahr?
Wer fürchtet sich vor „Novemberblues"? Ich jedenfalls nicht! Denn es gibt: viele tolle Lesungen und Veranstaltungen (Ausgesprochenes), neue Bücher (PS) und hier auf dem Schreibtisch einen brandneuen Text („Zum Meer"). Meer? War ich nicht gerade noch in den Bergen rund um die Burg?

Oktober 2008

Nun ist es kaum noch zu ignorieren: Der Herbst ist da. Die Tage scheinen wieder kürzer zu werden, aber eigentlich sind sie ja nur länger dunkel. „Es gibt keine Finsternis an sich, sie ist nur ein Mangel an Licht“ lässt Jostein Gaarder seine Sofie in „Sofies Welt“ sagen. Und was kann mehr Licht schaffen in trüben Tagen als große Gefühle? Jetzt schon als kleine Einstimmung auf die Novemberlesungen stelle ich Ihnen unter Lesezeichen das unlängst als Taschenbuch erschienene Werk „Gut gegen Nordwind“ vor.
Oder blättern Sie doch ein bisschen in der in diesem Monat erscheinenden Anthologie „Erste Liebe" (siehe PS), herausgegeben vom KulturStammtisch Dulsberg als Projekt zur Dulsberger HerbstLese 2008.
Außerdem werde ich in diesem Monat noch einmal zu Gast bei Rüdiger Käßner sein, der seit 2001 die Weblesungen für die Hamburger Kulturbehörde organisiert. Ich werde, nein, keinen Herbsttext einlesen sondern – ich traue mich kaum es zu tippen – schon einen adventlich-vorweihnachtlichen. Schließlich werden Sie ihn sich ja auch erst im Dezember anhören können … Weitere Termine unter Ausgesprochenes.

Ich wünsche einen bunten Herbst mit Kürbissuppe, Apfelchutney, selbst gestrickten warmen Wollsocken und Indian Summer (auch mitten in der Großstadt)!  

September 2008
Die letzten Augusttage zeigen sich hochsommerlich: sonnig, warm und trocken. Gedanken an den bevorstehenden Herbst kommen erst langsam.
Für mich ist der Herbst oft eine Zeit des Umbruchs gewesen. Entscheidende Veränderungen in meinem Leben manifestierten sich seltsamerweise immer im Herbst; und diese Veränderungen waren oft verbunden mit Wehmut, mit Abschiednehmen (und dies noch gar nicht wollen), mit Loslassen (und dies vielleicht noch gar nicht können). Immer schien die vermeintliche Leichtigkeit des Sommers zu Ende zu gehen.
In diesem Herbst werde ich (auch) mit viel Dankbarkeit zurückblicken: „Herbstzeitlose", hier neu auf dem Schreibtisch. Zum Lesen und Anhören. Oder lesen Sie meine Herbstgedanken nach im Text „Das Geschenk" in „Der Rattenfänger" (siehe PS). 
Ebenfalls unter PS: Der Live-Mitschnitt der Lesung vom Mai im Hamburger STZ - jetzt als Hör-CD! Und auch die neue Matthias-Fehlberg-CD ist nun endlich erhältlich! Unter Ausgesprochenes die ersten Termine der Herbstlesungen!

August 2008
Da! 
Schauen Sie genau hin! Ich habe es für Sie gesucht!
Und aufgestöbert! Gefunden! 
Das Sommerloch! 
Passen Sie auf, dass Sie nicht hineinfallen! 
Ich kann es sicherlich nicht ganz füllen, aber doch wenigstens ein bisschen:
Diesen Monat erscheint die Anthologie „Begegnungen 2008“ der editionleselust (siehe PS). Meinen Beitrag dafür „Im nächsten Leben“ können Sie auch auf dem Schreibtisch nachlesen. Aber natürlich können Sie ihn sich auch anhören, wenn Sie das lieber möchten. Wiederum aus dem Live-Mitschnitt meiner Mai-Lesung im Hamburger STZ. Sogar ohne Versprecher.
Außerdem erscheint diesen Monat die 21. Ausgabe des Magazins „Verstärker“ zum Thema „Schein“. Lassen Sie sich die nicht entgehen, genauso wenig wie die dazu veranstaltete Lesung in Berlin am 23. August (Ausgesprochenes). Ich werde dort sein! Fotoimpressionen dann ebenfalls unter Ausgesprochenes.
Haben Sie einen guten Monat – ohne allzu viele oder wenigstens nicht so große Löcher.  

Juli 2008
Diesen Monat gibt’s was auf die Ohren. Und es gibt ein paar Dankeschöns.
Wie schon im Juni angekündigt, können Sie vom 01.-07.07. meinen Text „Im Winter trägt man morgens um 6 keine Sonnenbrille“ aus dem Buch „Vertrauenssache“ auf den Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde anhören. Link dorthin auf dem Schreibtisch. Danach wandert der Text dort ins Archiv. Mein Dank gilt Rüdiger Käßner, der seit 2001 die Weblesungen organisiert.
Dann bedanke ich mich bei Thies Stein. Er hat den Text „Die Zeit steht still“ (aus dem Buch: „Der Rattenfänger…“), aus dem ein kleiner Ausschnitt auf der CD „Blues Between the Lines“ von Matthias Fehlberg erscheinen wird, in der Studio-Version bearbeitet. Den gesamten Text können Sie sich ab sofort hier auf dem Schreibtisch anhören. Matthias sage ich danke dafür, dass er den Text so sehr mag, dass er ihn auf seiner CD musikalisch begleitet.
Und ich bedanke mich bei Thomas Stelter. Er hat meine Mai-Lesung im Hamburger STZ aufgezeichnet. Hier davon zu hören: „Post an von Paul“ (schön spöttisch in der Vorleseversion!), ebenfalls auf dem Schreibtisch.
Und jetzt gibt’s noch was für die Augen. Dieter Aipperspach hat eine Interpretation zu meinem Text „Gefallener Engel“ (auch aus „Der Rattenfänger…“) gemalt, die mich sehr berührt. Auf zweierlei Weise zu betrachten, also „von oben und von unten“. Hier die Version „von oben“. Auch dafür danke.
Ich wünsche Ihnen einen guten Monat! 


Juni 2008
Wir schreiben den einunddreißigsten Tag im fünften Monat des zweitausendundachten Jahres. Des Herrn, meinetwegen. In Hamburg ist Hochsommer ausgebrochen. Ich war auf einer Veranstaltung und habe ungefähr zum vierundzwanzigeinhalbten Mal den Sonnenbrillen"-Text gelesen. Siehe Schreibtisch und Ausgesprochenes. (Den Sie sich übrigens ab dem ersten Kalendertag des siebten Monats unter Weblesungen.de anhören können.) Es war sehr heiß. Danach habe ich im Park in der Sonne gelegen und hundertdreiundzwanzig Seiten des Buches Die Bücherdiebin" gelesen. (Darüber schreibe ich Ihnen eine Besprechung. Demnächst. Unter Lesezeichen.) Ich habe dies Buch nicht gestohlen sondern zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich bin ein Jahr älter. 
Es ist jetzt genau siebzehnuhrdreiundfünfzig und die deutsche Fußballnationalmannschaft bestreitet ihr letztes Testspiel vor der EM. (Darüber werde ich nicht schreiben.)
Ich klinge gelangweilt? Oh nein. Nur ein bisschen ausgepowert. Deswegen die ganzen demnächsts" in diesen Zeilen. 
Aber: Den kurzen anderen Text Ganz anders" können Sie sich ab sofort auch anhören. Aus einem Livemitschnitt meiner Lesung vom fünften fünften dieses Jahres. Mit allen Versprechern, der Aufregung, aber auch dem Applaus. (Auf dem Schreibtisch.) Dankeschön. Und ich verweise noch einmal auf den Videomitschnitt der „Vorspiel"-Lesung. Damit Ihnen nicht langweilig wird. (Unter Ausgesprochenes.)
Meine Tomatenpflanzen vor dem Wohnzimmerfenster haben schon jeweils vier Blüten. Und Ihre???

Mai 2008
Upps, nun haben wir schon Mai. Die Tage sind länger. Stimmt natürlich nicht, die Tage sind nur länger hell, das scheint mir wesentlich.
Klicken Sie mal auf Ausgesprochenes. Für die jetzt hoffentlich lichtdurchflutete Zeit stehen einige spannende Lesungen mit noch spannenderen Themen an: Grenzgänge, Vorspiel, Umbruch...
Meinen Text „Die Fremdgängerin" im Rahmen des „Vorspiels" finden Sie auf dem Schreibtisch. Allerdings erst am Tag nach der Lesung. Ich möchte Ihnen die Pointe ja nicht vorher stehlen. Die Anthologie mit allen Texten zum Thema erscheint übrigens zeitgleich zur Lesung. Näheres unter PS.
Und, falls Sie die Lesung verpasst haben sollten, unter Ausgesprochenes eine Videodokumentation.

April 2008
Kennen Sie das? Fragen Sie sich auch manchmal, warum Sie gerade das tun, was Sie tun? Oder, schwerwiegender vielleicht noch: Ob das, was Sie tun, eigentlich das Richtige ist? Mich jedenfalls haben in den letzten Wochen oft solche Fragen beschlichen. Dazu passt, hier neu unter Lesezeichen, das Büchlein Briefe an einen jungen Dichter" von R.M. Rilke. Und, neu auf dem Schreibtisch, der  ganz kurze Text: Ganz anders". Er erscheint zeitgleich in der April-Ausgabe des Magazins „Kurzgeschichten". Siehe PS. Unter Ausgesprochenes die neuesten Lesetermine.
Ich wünsche einen zauberhaften Frühling.

März 2008
Mit der Eröffnung vom Café Leonar und dem Jüdischen Salon am Grindelhof hier in Hamburg kehrt ein Stück Kultur zurück in das ehemalige jüdische Viertel um die Talmud-Tora-Schule. Meinen Beitrag Der Koch als Heiratsvermittler" darüber finden Sie in der März-Ausgabe von Das Viertel" und hier auf dem Schreibtisch.
Ebenfalls neu auf dem Schreibtisch: Der von der Jury als bester Beitrag preisgekrönte Text des Mohland Jahrbuchs 2007: Und mein Herz ist offen" (siehe Presse unter PS).
Unter Ausgesprochenes können Sie die ersten Fotoimpressionen der Rattenfänger"-Lesung anschauen.
Ansonsten: Die Veränderungen hören nicht auf: Ab April wird es das Stadtteilmagazin Das Viertel" nach fünfeinhalb Jahren aus verschiedenen Gründen nicht mehr geben. Was mich sehr bestürzt. Sehr. Es fühlt sich für mich an wie unter einem Gewitterguss. Und momentan mag ich gar nicht daran glauben, dass ja bekanntlich nach und aus Regen viel Neues erwachsen kann. Drücken Sie also bitte die Daumen.

Ende Januar / Februar 2008
Nun ist das neue Jahr schon fast einen Monat alt und wieder einmal finde ich es erstaunlich, wie viele Veränderungen sich in so kurzer Zeit manifestieren...
Hier neu: Eine Besprechung. Denn wenn Sie endlich mein (ja nun schon nicht mehr ganz) neues Buch „Der Rattenfänger" gelesen haben (oder mich auf meiner Lesung am 04.02. daraus vorlesen gehört haben - siehe Ausgesprochenes -), dann besorgen Sie sich unbedingt das zweite Werk des Autors Sven-André Dreyer „Langsamland". Unter Lesezeichen vorgestellt.

Januar 2008
Mein Viertel, DAS Viertel, ist international. Hier können Sie sogar die Metropolitan Opera in New York besuchen. Wo? Das sagt Ihnen mein Januar-Artikel in „Das Viertel". Nachzulesen unter „The Metropolitan Opera goes HOLI..." auf dem Schreibtisch.
Außerdem: Zwei Buchbesprechungen meines neuen Buches unter PS.
Ich wünsche uns ein friedvolles und vor allem gesundes 2008.
Heike Hartmann-Heesch

Dezember 2007
Wir können es nicht mehr ignorieren: Das Jahr neigt sich dem Ende...
Schokoweihnachtsmänner und Engel aller Variationen in den Läden (bereits seit Mitte September), Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen und Weihnachtsmärkte (bereits vor dem Ewigkeitssonntag) und, halten Sie sich fest, ein 6er-Pack hart gekochte, bunt gefärbte Eier im Sonderangebot (gesehen in einem Reklameblatt eines deutschen Lebensmittelkonzerns am letzten Novemberwochenende)...
Das Jahr geht zu Ende...
Hier neu: Ein Artikel über den Verein SOS Kinderdorf e.V., der auch hier bei uns im Viertel seit 25 Jahren Beratungs- und Betreuungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien anbietet, denen es in unserer schnelllebigen Zeit oft an Orientierung und Perspektiven mangelt. Unter „Jungen Leuten helfen" auf dem Schreibtisch.
Mir bleibt nur zu sagen: Haben Sie, so möglich, eine besinnliche Adventszeit.
Genießen Sie Abende bei Kerzenschein und Tee. Lassen Sie sich nicht hetzen und nicht stressen. Bleiben Sie bei sich. Legen Sie eine schöne CD auf. Lesen Sie ein neues Buch. Meines zum Beispiel. „Der Rattenfänger und andere Grenzgänge". Ab 11.12. zu erhalten. Nähere Informationen unter PS... Oder das Romandebüt „Auf einen Schlag" von Florian Tietgen. Im Archiv.
Und: Klicken Sie doch mal auf den Nikolaus. Dort finden Sie meinen Beitrag für einen besinnlichen und bewussten Advent.

November 2007
Wer sagt, diese Jahreszeit sei dunkel, kühl und trübe?
Ich jedenfalls finde, es ist die Zeit für ganz große Gefühle. Und um die gehts in „Post an von Paul". Auf dem Schreibtisch. Und in der Oper „Aelita" geht es ebenfalls darum - um große Gefühle jenseits von Zeit und Raum. In der aktuellen Novemberausgabe von „Das Viertel" stelle ich Ihnen den Hamburger Aelita-Musiktheater-Verein e.V. vor. Unter „Die Liebe auf dem Mars, Oper „Aelita" im Hamburg-Haus" hier inzwischen im Archiv nachzulesen.

Ende September / Oktober 2007
„Enge wird und duftet bang und bitter
Diese Welt, dem Lichte abgewendet.
Rüsten wir uns auf das Spätgewitter,
das des Lebens Sommertraum beendet!"

So schrieb Hermann Hesse 1947.
Was ich schreibe, 60 Jahre später, lesen Sie unter „Das Geschenk" auf dem Schreibtisch.
Und: Seit über 40 Jahren gibt es in Hamburg-Eimsbüttel das „Hamburg-Haus", ein Kulturzentrum für alle Einwohner des Bezirks, unabhängig von Alter, Einkommen und Interessen. Den Bericht darüber finden Sie in der Oktober-Ausgabe von „Das Viertel".
Unter Ausgesprochenes die Fotoimpressionen der 2. Glinder Autorennacht.

Ende August / September 2007
Kurz und knapp: 
Vor genau einem Jahr startete das Hamburger Magazin „Das Viertel" eine Serie, in der bekannte und weniger bekannte Autoren aus „dem Viertel" (also: unserem! meinem!) aus ihrer subjektiven Sicht über „ihr" Viertel schreiben. Meinen Beitrag „Vogelperspektive" dazu finden Sie in der aktuellen September-Ausgabe. Und hier nachzulesen ebenfalls auf dem Schreibtisch.
Ich wünsche einen angenehmen Spätsommer (oder Frühherbst, ganz, wie Sie mögen).

Juli /August 2007
300000 Kinder, vom Säugling bis zum Jugendlichen, werden laut Dunkelfeldstudien in Deutschland pro Jahr sexuell missbraucht. In der aktuellen Ausgabe von "Das Viertel" stelle ich Ihnen den Verein "Zündfunke e.V." vor, der sich um Aufklärung und Prävention bemüht. Hier nachzulesen unter "Wenn Kinder um Hilfe rufen" auf dem Schreibtisch.
Ansonsten: Foto-Impressionen einer Open Air Lesung unter Ausgesprochenes und unter PS neue, na, was wohl, Reklame.

Juni 2007
Hier neu unter Lesezeichen: die Rezension eines der faszinierendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe!

Mai / Juni 2007

Wie bunt und facettenreich Leben ist, konnte ich in den letzten vier Wochen mal wieder überdeutlich erfahren. Und wie sich die vermeintlichen Gegensätze von Geborgenheit und Angst, Heimat und Fremde, Gesundheit und Krankheit, Atmung und Atemlosigkeit und auch Leben und Tod doch immer wieder neu vereinigen.
Wie reich das Leben sein kann, wenn man sich darauf einlässt. Wie bereichernd, wenn man neue Erfahrungen machen darf und neue Wege beschreiten kann, zu denen einem vielleicht vorher lange der Mut gefehlt hat. 
Hier neu: Eine Erzählung auf dem Schreibtisch und kleinere Veränderungen unter Ausgesprochenes, Pinnwand und PS.

Ende April 2007
Und soll ich analog zum letzten Eintrag sagen:  Der Sommer ist da? Nö. Stattdessen gebe ich Ihnen lieber eine kleine Illu meines Mannes, die die Lage hier in Hamburg so beschreibt: An und in der Elbe Auen drängen die Fischköpfe zur Freiheit, zur Wonne. Es gibt ein Leben nach Windjacke, Schal und Handschuhen." Wie wahr.

Und ich stelle Ihnen ein tolles Hamburger Projekt für Kinder/Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren des Vereins Hamburger Kulturbrücke e.V." vor: Switch - Eine Weltreise in 4 Tagen". Kinder-Botschafter für mehr Freundschaft, als Chance für Vorbehaltlosigkeit. "Wie Koreaner essen". Auf dem Schreibtisch.

Ende März / Anfang April 2007
Der Frühling ist da. Fast ohne Vorwarnung.
Der Frühling ist da. Deshalb ebenfalls neu hier: Und mein Herz ist offen", eine Liebesgeschichte, und ein April"-Beitrag auf dem Schreibtisch. Und, ganz passend zum Frühling, die Rezensionen im Archiv: ein Buch über die Liebe und das Glück und zwei winterliche CDs.
Zu guter Letzt: Im Winter trägt man morgens um 6 keine Sonnenbrille", eine neue Leseprobe aus meinem Buch Vertrauenssache". Der Text wurde im März zum Publikumssieger auf der Offenen Bühne im Hamburger Literaturcafé Mathilde gewählt - zum Thema Frühling" natürlich. Und mit Glück können Sie sich diesen Text auch bald hier anhören, aus einer Aufzeichnung der Radiosendung Radio Blattgold - Literatur zum Anfassen" aus dem vergangenen Jahr. Wenn ich kapiert habe, wie ich das technisch bewerkstelligen kann.
Und denjenigen, denen jetzt im Frühling (oder wann auch immer...) Reisegefühle im Buch kribbeln, empfehle ich die Anthologie Unterwegs". Unter Lesezeichen".

Februar 2007
„Man tötet einen Geschichtenerzähler damit, dass man ihn auf die Wahrheit verpflichtet. Die Wahrheit bleibt dem Ernst des Erzählenden überlassen“, sagte der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel. Viel Spaß bei der Entdeckung von Wahrheit und Fiktion in meinen Texten.
Und wenn Sie lange genug hier auf der „Papiersinfonie“ blättern, werden Sie auch wissen, woher der Name kommt und was er ursprünglich einmal für mich bedeutete…
J  

Heike Hartmann-Heesch, 02/2007

                                                                                                                 nach oben