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September
2010

Die Entwöhnung von der
Beatmung ist für Heike schwerste Arbeit. Bei allen Erfolgen kommt es
immer auch wieder zu Rückschlägen; das ist bei dieser komplexen
Behandlung nicht ungewöhnlich.
Man hat uns gesagt, es wird lange dauern ...
Detlef Heesch
August
2010

Eine Lungenentzündung
hat Heike im Verlauf des Juli in ihren Fortschritten aufgehalten; als
Folge der notwendigen Medikamentengaben sind dann auch noch
Entzündungen der Speiseröhre und Magenschleimhaut hinzugekommen.
Trotzdem kommt die Entwöhnung
von der Atemunterstützung langsam voran.
Zeit wird zur Summe bewältigter Tage, Zuversicht und Verzagen liegen
nah beieinander, das Wort
G e d u l d klingt provozierend ...
Detlef Heesch
Juli
2010

Nachdem bleierner
Stillstand im Heilungsprozess zur Mitte des Monats Schlimmes befürchten
ließ, ist während der vergangenen zwei Wochen endlich eine deutliche
Verbesserung der Funktion Heikes neuer Lunge zu beobachten. Sie kann
phasenweise ohne Unterstützung selbst atmen, ihre Mobilität ist jetzt soweit fortgeschritten, dass Heike sich ein wenig
bewegen und mit der Hand schreiben kann.
Nicht mehr ganz sprachlos.
Es ist vorgesehen, sie in den kommenden Tagen von der
herzchirurgischen Intensiv- auf eine andere Station zu verlegen, um bei
der Entwöhnung von der Beatmungsmaschine weiter voran zu kommen.
Ich bin zuversichtlich, dass Heike den nächsten Beitrag an dieser
Stelle wieder selbst schreiben kann.
Ein langer Weg.
Detlef Heesch
Juni
2010

Heike ist in der Nacht zum
14. Mai transplantiert worden. Ihr Zustand ist kritisch, ein Ödem hatte
sich im Spenderorgan entwickelt. In der endlos langen Zeit seitdem ist
es gelungen, die Ansammlung von Flüssigkeit und damit die Schwellung
der Lunge allmählich zu reduzieren, die Lungenfunktion zu verbessern
und den Thorax endlich zu schließen (30. Mai).
Ein wenig besser. Kleine Schritte. Geduld.
Nach der Intubation verläuft die Beatmung jetzt über einen Zugang
direkt in die Trachea. Heike ist wach und klar, sie kann die Lippen
bewegen, aber nicht sprechen. Zum schreiben ist sie noch zu schwach.
Sprachlos.
Warten auf die nächsten kleinen Schritte.
Detlef Heesch
Mai
2010:
über die Dinge, wie sie sind (und wozu meine Vorstellung nicht mehr und
dennoch reicht)

Haben
Sie sie auch gesehen? Diese unglaublich faszinierenden Bilder des isländischen
Vulkans mit
dem schönen Namen
Eyjafjallajökull? Mit
Verlaub, aber ich war nicht ganz so gut auf Vulkane zu sprechen! Die Folge, nämlich das europaweite Flugverbot wegen
der Luftbelastung durch Aschestaub, der gefährlich unter anderem für
die Triebwerke von Flugzeugen ist, galt natürlich auch für Organtransporte.
Ich konnte nicht verhindern, dass ich Gedanken hatte wie „Was, wenn
ausgerechnet jetzt vielleicht ein Organ in, sagen wir, Österreich zur
Verfügung steht?“. Die hätte nach Hamburg eingeflogen werden müssen,
weil das Zeitfenster für einen Transport per Bahn oder sonstwie nicht
ausreicht. Aber bei Flugverbot geht auch das natürlich nicht. Organe
wie Herzen oder Lungen können dann nur regional vergeben werden. Mir
fielen also buchstäblich isländische Lavabrocken vom Herzen, als der
Flugraum wieder geöffnet wurde!
Ansonsten: Die Sehnsucht hört weder auf noch wird sie weniger, je mehr
Zeit vergeht. Nun ist schon Mai, und nie, wirklich nie habe ich mir
anfangs (alb-)träumen lassen, dass die Wartezeit auf eine Spenderlunge
so lange dauern würde. Neulich am Sonntag bin ich mit meinem Mann zum
ersten Mal in diesem Jahr „richtig“ draußen gewesen; mit dem
Rollstuhl machten wir eine lange Spazierfahrt rund ums Krankenhausgelände.
Es war wunderbar frühlingshaft warm, blauer Himmel, die Sonne strahlte;
nur saß mir die ganze Zeit ein richtig dicker Kloß im Hals, denn auch
diesen Spaziergang haben wir uns im Herbst letzten Jahres, als wir genau
diese Runde zum letzten Mal drehten, bevor es draußen zu kalt wurde,
etwas anders vorgestellt: Im Herbst nämlich glaubten wir tatsächlich
noch fest daran, dass ich genau diesen Weg beim nächsten Mal schon mit
neuer Lunge und auf eigenen zwei Füßen gehen würde – und eben nicht
aus der Rollstuhlperspektive erleben müsste. Momentan gibt es immer
seltener Momente, in denen ich es mir tatsächlich vorstellen kann, dass
sich das, wonach ich mich sehne, auch tatsächlich erfüllen könnte:
ein ganz normales Leben wieder haben. Mein Leben. Außerhalb eines
Krankenhauses.
Kleiner wird auch die Angst nicht; jetzt ist da nicht mehr nur die Angst
vor der OP, vor einer ungewissen Zukunft nach der OP, hinzu kommen so
langsam auch Gedanken, ob ich die Zeit bis dahin überhaupt körperlich
überstehe.
Ich fühle mich zunehmend sprachlos.
Deswegen diesen Monat kurz und knapp: Am 8. Mai findet im Kulturhof
Dulsberg das 5. Dulsberger MaiRauschen statt: Lesung und
Kunstausstellung zum Thema „HerzFlugZeit“. Ich bedaure es zutiefst,
nicht vorlesen, ja, noch nicht einmal im Publikum sitzen zu können. Wie
in jedem Jahr gibt es zeitgleich das Buch zur Lesung (für mehr Infos
siehe PS). Darin finden Sie dann auch meinen Text „Die
Dinge, wie sie sind“. (Und hier auf dem Schreibtisch.) Der
Text, als Geschichte,
beschreibt sicherlich viel intensiver einen Teil der Emotionen der
ganzen langen letzten Monate als ich mich das hier im Blog jemals
getraut hätte zu sagen.
April
2010: von Wolkenfängern, Erdverbundenheit und brutalen Zeitschleifen

John
Updike schrieb einmal, Schreiben sei eine illusorische Befreiung, eine
vermessene Zähmung der Wirklichkeit, eine Möglichkeit, das Unerträgliche
leicht und heiter darzustellen und dass man im Morgenlicht zügig, ohne
die geringste Beschleunigung des Pulses über das schreiben könne, über
das man im Dunkeln nicht einmal nachdenken könne, ohne Zuflucht bei
Gott zu suchen.
Wenn ich heute Morgen aus dem Fenster blicke, sehe ich blauen Himmel,
nicht mal ein einziges Schäfchenwölkchen irgendwo. Die Sonne strahlt
und reflektiert sich in den Fenstern des gegenüberliegenden Gebäudes.
Auf dem Tisch bei mir im Zimmer steht seit Wochen ein Strauß
Forsythien, knallgelb die Blüten, wunderschön, und oben an den Spitzen
wachsen schon grüne Blätter. Der Winter hat, so scheint es, endlich
seinen frostigen Mantel ausgezogen. Der Frühling ist nah. Und so gern
ich ihn sonst begrüßt habe, den Frühling, so sehr ich auf Zeichen in
der Natur gewartet habe, auf erste Schneeglöckchen und Krokusse, später
Narzissen, auf bunte Primeln und Tulpen in den Läden, auf die ersten grünen
Blätter an den Bäumen draußen – in diesem Jahr begegne ich all dem
mit ziemlich gemischten Gefühlen. Wenn ich ehrlich bin: Ich will jetzt
gar keinen Frühling, wollte ich den ganzen März über schon nicht. Es
schmerzt, es schmerzt unermesslich, körperlich, auch noch den Frühling,
das Wiedererwachen der Natur, hier in Warteposition zu verbringen. Im
Juni letzten Jahres kam ich hier an, erlebte den Sommer, einen heißen
Sommer, den Herbst, der auf einen langen und „richtigen“ Winter
vorbereitete und in dem ich noch Hoffnung hatte, vielleicht, ganz
vielleicht das Weihnachtsfest oder das Neue Jahr schon wieder zu Hause
oder wenigstens in der Reha begrüßen zu dürfen. Und nun haben wir
Ende März und die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, Ostern steht
vor der Tür – und ich liege immer noch hier. Da verliere ich schon
manchmal den Mut, das dürfen Sie mir gerne glauben.
Da fällt es auch schwer, hier in der Gegenwart zu bleiben, in der jeder
Traum den Alb schon in sich trägt, jede Hoffnung die Enttäuschung,
jeder Wunsch die Versagung. Schreiben in dem Sinn, wie John Updike es
oben verstand, brachte mir in den letzten Wochen tatsächlich
vermeintlich „Erleichterung“. So sehr es mir half, hier in der
Gegenwart zu bleiben, genauso brachte mich Schreiben wieder einmal an
Grenzen (Ist es o.k., hier auf der Grenze zwischen Leben und Tod zu sein
und innigste Liebesgeschichten zu schreiben? Sollte ich nicht eher
meinen Verstand beieinander behalten und – ja,
was eigentlich? Auf welche tatsächlichen und vermeintlichen Grenzen
stolpere ich denn nun schon wieder?) – und auch die Frage taucht auf,
welche Grenzen ich noch überschreiten darf. In mir oder um mich rum.
Wenn Sie hier
klicken und weiter lesen, lesen Sie das, was vielleicht wieder
die eine oder andere überschreitet. In mir oder um mich rum.
März
2010 - Schnee im Frühling und weinende Krokodile

Im März 2007,
Sie können es unten nachlesen, wenn Sie wollen, hatten wir bereits Frühling,
einen wunderbaren Frühling und ich stellte eine Liebesgeschichte für
Sie online. Der März 2008 war, soweit ich mich zurückerinnere,
ziemlich kalt und verregnet, aber ich war gerade aus einem Frühlingsurlaub
auf Madeira zurückgekehrt und freute mich darüber, dass ich für die
ein Jahr zuvor entstandene Liebesgeschichte einen Preis erhalten hatte.
In besagtem Urlaub allerdings wurde mir – beim Bergaufwandern – zum
ersten Mal deutlich bewusst, dass „irgendwas“ mit meiner Lunge ganz
und gar nicht in Ordnung sein konnte.
Wie das Wetter im März 2009 war? Ehrlich gesagt kann ich mich daran
nicht erinnern, denn der März gehörte zu den Monaten, die ich stationär
verbringen musste, und nicht nur stationär sondern größtenteils
bettlägerig,
nachdem die Lunge mehrmals kollabiert und von alleine nicht wieder zu
stabilisieren war. Im letzten März also realisierte ich, dass Zeit tatsächlich
zählbar geworden war. Schon damals war klar, dass für mich, wollte ich
überhaupt eine Chance auf (Wieder-mein-)Leben haben, über kurz oder
lang eine Lungentransplantation der letzte und einzige Weg sein würde.
Seitdem hat sich vieles verändert und ändert sich noch.
Meine Hoffnung für März 2010 war, dass Sie ganz andere Zeilen von mir
hier lesen. Ich hatte welche vorformuliert, Mitte Februar schon, Hamburg
lag zu diesem Zeitpunkt noch in tiefem Schnee (siehe Bilderleiste oben).
Und zwar vorformuliert für den Fall, dass ganz auf einmal doch eine
Spenderlunge zur Verfügung gestanden hätte, ich transplantiert worden
und danach nur noch nicht rechtzeitig wieder fit genug gewesen wäre, um
meinen monatlichen Beitrag zu schreiben.
Dies ist aber leider nicht so, und deshalb lege ich Ihnen jetzt ohne
weitere Worte noch einen meiner neuen Texte auf den Schreibtisch:
„Wenn die Krokodile
weinen“. Behutsame Wörter um große Gefühle.
Heike
Hartmann-Heesch
Nachtrag:
Ich bedanke mich bei Literaturinterpretin und Autorin Rena
Larf, die am
12.03. um 11.00 Uhr meinen Text „Im Winter trägt man morgens um 6
keine Sonnenbrille“ auf 1000mikes.com
– Das Hamburger Literatur-Radio präsentiert. Hören Sie
doch mal rein!
Februar
2010 – ohne Umwege
„Ich kann
meine Träume nicht fristlos entlassen. Ich schulde ihnen noch mein
Leben.“ (Frederike Frei)

Gefühle sichtbar machen. Zeigen, wie es in mir aussieht. Zeigen, wie
ich mich sehe, wenn ich genau hingucke. Das hat diese Illustration von
Ralf Wasselowski geschafft. Und zwar ohne den Umweg über Wörter. Ohne
Erklärungen. Das ist für mich eine ganz neue Erfahrung: das Gefühl,
mich nicht erklären zu müssen und, wahrscheinlich viel wesentlicher
und essenzieller, auch nicht zu wollen, auch nicht vor mir und für mich
selbst, sondern einfach nur hinzugucken und zu sehen. Dafür ist weder
die Entstehungsgeschichte der Illustration wichtig noch der Kontext, in
den Wasselowski sie gestellt hat (zu seinem Gedicht „Die Grenze zur
Entschiedenheit“).
Was ich sehe, jedenfalls, sind keine Monster (okay, ein paar Fratzen und
Kobolde sind schon dabei). Was ich auch sehe: wie gleichsam ein Gefühl
dem anderen entspringt, aus ihm geboren wird, wie sie zusammengehören.
Was ich nicht sehe, für den
Moment, ist Angst. Für mich bedeutet das: Ich muss mich nicht fürchten
vor dem, was ich in mir trage. Ich muss mich nicht vor meinen Gefühlen
fürchten. Ich brauche mich nicht bedroht zu fühlen.
Ich bin.
So einfach.
Januar
2010: Sterne, Stürme – und Zeit, die stillsteht
Ich möchte am Anfang dieses neuen Jahres zwei Kunstwerke mit Ihnen teilen. Ein
Bild, das mein Mann vor vielen Jahren einmal auf der Elbe fotografiert
hat und ein Gedicht, das auf der Rückseite einer Postkarte gedruckt
steht, die ich mit Weihnachtsgrüßen erhielt. Und mehr
brauche ich nicht, um die Stimmung wiederzugeben, mit der ich ins
Neue Jahr gehe.
Ich hoffe, Sie folgen mir!
RUDERN ZWEI
Rudern zwei
ein boot,
der eine
kundig der sterne,
der andre
kundig der stürme,
wird der eine
führn durch die sterne,
wird der andre
führn durch die stürme,
und am ende ganz am ende
wird das meer in der erinnerung
blau sein
Reiner Kunze
(aus:
frühe gedichte, aufgenommen in R. Kunze, gespräch mit der amsel,
© S.
Fischer Verlag, Frankfurt am Main)
Ich wünsche
ein wunderbares 2010 voller Sterne und Stürme. Wenn Sie Lust haben,
sich mal wieder einen Text von mir anzuhören: vom 12. Januar an unter www.weblesungen.de:
„Die Zeit steht still“ – was sie natürlich niemals tut, auch wenn
es sich manchmal so anfühlt. Viel Spaß.
Dezember
2009 – Vielleicht Antworten auf die Frage, was wir uns nicht wünschen
Das Schwierige
ist nicht, nicht mehr zu wissen, was ein Liter Milch im Supermarkt
kostet. Das Schwierige ist auch nicht, mich zu fragen, ob ich noch ganz
bei Sinnen bin, wenn ich mich dabei ertappe, E-Mails an eine große
Modefirma zu schreiben, um sie auf grobe grammatische Schnitzer in
Texten einer ihrer Online-Werbekampagnen aufmerksam zu machen oder wenn
ich Rechenaufgaben löse, die mir vermeintlich verraten, wie es um
meinen IQ bestellt ist, nur um meinen Kopf von anderen Grübeleien
abzuhalten, wenn ich gerade nichts zu arbeiten habe. Als richtig
schwierig empfinde ich momentan noch nicht einmal das Warten auf den Tag
unbekannten Datums, an dem endlich die Tür aufgehen, (vermutlich) einer
der Ärzte hereinkommen und sagen wird: „Wir haben eine Spenderlunge für
Sie. Nun geht es los.“, weil sich meine Angst vor dem Danach
inzwischen potenziert hat und mir die Situation des Wartens hier dagegen
so verdammt vertraut ist. Ich habe mich arrangiert. Schwierig ist die
Angst. Nie in meinem Leben war so viel Angst mein ständiger Begleiter,
und unabhängig davon, dass es mir meistens ganz gut gelingt, die Angst
mit ins Boot zu ziehen, kann ich sie doch schwer annehmen, weil ich ja
noch nicht einmal genau sagen kann, wovor ich mich denn so fürchte, ich
kann es immer nur umschreiben mit „der Situation nach der OP“. Wird
alles „gut gehen“? (Und was heißt „gut gehen“?) Wie wird mein
Leben danach aussehen? Es ist immer nur so ein vages Gefühl von „worst
case“, das ich in Kopf und Bauch habe. Nicht immer bin ich ruhig
genug, alles auf mich zukommen zu lassen und Tag für Tag zu leben.
Und manchmal muss ich selbst da ein bisschen zynisch grinsen, denn ich
habe zurzeit nicht oft das Gefühl zu leben. Oft genug fühlt es sich
eher an, als sei ich ein einsamer Autobahnrastplatz, an dem das Leben
manchmal für einen Moment Pause macht, um danach mit Vollgas
weiterzubrausen und schon nach wenigen Momenten sogar den Namen des
Rastplatzes vergessen zu haben. Dies Bild ist bitter und traurig, ich weiß,
trotzdem trifft es. Schwierig ist es auch, diese Bitterkeit zu ertragen,
spricht daraus doch so große Enttäuschung und ja, auch Selbstmitleid:
Wo sind sie, die Menschen, die vorher gesagt haben „Wir stehen das mit
dir durch. Wirst schon sehen, wir wechseln uns ab und geben uns die
Klinke in die Hand.“ (Das ist O-Ton.) Oder: „Ob ich mit dir zu Hause
einen Kaffee trinke oder in der Klinik, ist doch egal.“ (Das auch.) So
große Enttäuschung! Ja, ich weiß, es ist hinlänglich bekannt, dass
sich in solch Ausnahmesituationen gerade im engeren
privaten Bereich die Spreu vom Weizen trennt, nur hätte ich nicht
gedacht, dass es so extrem
einsam, dass ich so extrem
allein sein würde. Für alle anderen da draußen geht eben das Leben
ganz normal weiter. Düsterer November, letzte Herbsturlaube, erste
Weihnachtsvorbereitungen. Gleichzeitig bin ich damit horrend ungerecht,
denn es gibt eine Handvoll Menschen, die da sind (und einen, der es immer
ist). Die ich regelmäßig sehe und an deren Leben ich weiter teilhaben
kann, weil sie mir erzählen, vom Leben, von kleinen Glücksgefühlen
und großen Ungerechtigkeiten, von tieftraurigen Momenten und
hoffnungsvollen Aufbrüchen, von gelangweilter Gleichförmigkeit und
ebenfalls unsagbar schmerzhaften Enttäuschungen, von kleinen Problemen
und Lebensentscheidungen. Und nach deren Besuch ich mich trotzdem nicht
des Rastplatzgefühls erwehren kann. Gerade dann nicht! Denn: Ich bin
eben nicht da. Nicht vor Ort. Nicht präsent. Mir muss man alles erzählen.
Ich erlebe nichts mit. Habe eben doch nicht richtig teil. (Und das seit
nunmehr einem Jahr fast am Stück!)
Ungerecht bin ich, weil ich natürlich weiß, dass ich hier schön in
meinem Muspott gefangen bin. Ich bin nur hier. Alle meine Gefühle hier
sind Gratwanderungen und gleichzeitig Schritte in 7-Meilen-Stiefeln, aus
denen schon fast eine gewisse Arroganz erwächst: Was interessieren mich
Milchpreise? Viel dringlicher ist es, morgens die Schmerzen in den Griff
zu kriegen.
Mitunter noch schwieriger ist das Gefühl auszuhalten, dass ich
meinerseits anscheinend nicht viel tun kann, um für andere da zu sein.
Ein paar Mal habe ich in E-Mails Sätze lesen müssen wie „Ach, damit
wollte ich dich nicht belasten.“ Nein? Oder war damit eher gemeint:
„Lass gut sein, du kannst da eh nichts tun von deinem Krankenbett
aus.“ Nicht? Schade. Ich kann vieles ganz besonders gut hier. Still
sitzen und zuhören zum Beispiel. Zulesen
übrigens auch. Was ich auch gut kann, ist schreiben. Wenn ich den
Eindruck habe, jemand fragt nicht nur einfach so „Wie geht es dir?“
sondern „Wie geht es dir wirklich?“
Dann lege ich los. Komme vom 100sten ins 1000ste, offenbare mich. Das
geht meist nach hinten los, denn selten bekomme ich Antwort. Bin ich
vielleicht die Schwierigkeit, weil ich Krankheit öffentlich mache? Wäre
es einfacher (und wenn ja, für wen?), ich hätte vor einem Jahr gesagt
„Ich bin dann mal weg“ und würde, wenn alles vorbei ist, mit einem
Buch über Lungentransplantation zurückkommen? Bin ich schwierig, weil
ich auch keine fertigen Antworten darauf habe, ob so was alles in der
Schöpfung überhaupt vorgesehen ist?
Und dann ist da Wut. Manchmal ist es so schwierig, wütend zu sein. Wie
streite ich mit meinem Partner, wenn es für keinen von uns möglich
ist, mal für 10 Minuten die Küchentür hinter sich schließen zu
können, um
danach ins Wohnzimmer zurückzukehren und (vielleicht) um Verzeihung zu
bitten? Oder um weiter zu streiten?
Wie gehe ich mit dem Gefühl um, undankbar zu sein, wenn alle „es doch
nur gut meinen“?
Neulich haben mein Mann und ich angefangen, einen „Wunschzettel“ mit
umgekehrten Vorzeichen zu erstellen: also aufzulisten, was wir uns ganz
bestimmt nicht mehr wünschen im Moment. Mir fiel als erstes eben oben
erwähnter Satz ein „Ich meine es doch nur gut …“. Den möchte ich
nicht mehr hören. Und mein Mann wünscht sich keine Engelfiguren mehr.
Von niemandem.
Er hat Recht. Wir haben so viele. Alle von Menschen, die es gut meinen.
Die Trost spenden wollten, als sie sie uns schenkten. Sind wir jetzt
undankbar? Ungerecht? Unhöflich
gar? Nein, beschließe ich, das sind wir nicht.
Wir fühlen uns nur auch – hilflos oft. Traurig. Verunsichert. Allein
in unseren Hoffnungen und unserer Aggression. In unserer Liebe, in
unserem Aufbrausen und nicht zuletzt in unserer Angst. All dies liegt
nah, ganz nah beieinander. Und alles darf nebeneinander sein, in unserer
Demut, unserer Zuneigung und unserem Respekt gegenüber dem Leben und
den Menschen, die einfach nur immer noch da sind, in lauten und vor
allem den leisen Stunden.
Ich
wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in
das Jahr 2010. Es wird ein Gottesgeschenk sein, denn es verheißt Leben.
Heike
Hartmann-Heesch
November
2009 – Kälte, Mond, Frühlingsvögel und andere Veränderungen
Es ist jetzt schon längst dunkel draußen, wenn wir uns abends auf den
letzten kurzen Spaziergang des Tages begeben. Heute ist es den ganzen
Tag diesig und grau gewesen, aber am späteren Nachmittag wurde es
zunehmend windig und der Himmel klarte auf. Du schiebst meinen Rollstuhl
bis ans östliche Ende des Krankenhausgeländes. Drei Bänke stehen
hier. Vom Folgetag meiner stationären Aufnahme an sitzen wir, oft
mehrmals täglich, schon die ganze Wartezeit über hier für eine Weile.
Diese kleine Oase hinter Büschen, Sträuchern und kleinen Bäumen,
sogar ein Apfelbaum ist darunter, ist anfangs, von Juni den Sommer über,
ein Ort des Rückzugs innerhalb des trubelvollen Areals für uns
gewesen, ein Platz, an dem wir Augenblicke zusammen allein sein konnten.
Erzählen. Uns anlehnen. Marienkäfer zählen, Schneckenhäuser
wiedererkennen und Libellen beobachten. Schauen, aber selbst nicht
angeschaut werden. Kraft schöpfen. Oder manchmal auch, mein Kopf an
deiner Schulter, miteinander schweigen. Im September kamen Gärtner und
machten Kahlschlag: stutzten die Bäume, rissen Sträucher raus und
schnitten alle restlichen Büsche auf geschätzte 1m Höhe.
Jetzt aber ist es eh dunkel und eigentlich auch schon zu kühl, um lange
auf der Bank zu sitzen, aber wie schon ein paar Mal zuvor bemerke ich
die Kälte, die von unten meine Hosenbeine hoch kriecht, erst, als du plötzlich
und leise Ist dir kalt? fragst.
Siehst du das? fragst du eine Weile später in die Dunkelheit hinein,
die gar nicht mehr so dunkel wirkt, wenn man in den Himmel blickt. Was?
antworte ich. Na, den Mond! sagst du. Schau doch mal, sagst du, siehst
du nicht, dass er ganz komisch schief am Himmel hängt heute Abend?
Stimmt, lächele ich und greife nach deiner Hand, er hängt sogar
ziemlich schief da oben!
Hörst du das? fragst du dann in die Stille hinein, die in meinen Ohren
gar nicht still ist. Je ruhiger die Außenwelt, desto stärker nehme ich
das Rauschen des Sauerstoffs in der Sauerstoffbrille wahr, das
unerbittlich lärmt im Kopf. Hörst du das? fragst du erneut und drückst
meine Hand. Ja, sage ich und wundere mich ein wenig. Laut sind die,
sagst du, und ich nicke in die Dunkelheit, ja, das finde ich auch.
Durchdringend laut, sagst du. Haben die immer so laut gezwitschert? will
ich wissen. Nein, antwortest du, erst jetzt, ist dir das noch nicht
aufgefallen? Seit die Bäume ihre bunten Blätter verlieren, klingen
einige der Frühlingsvögel befremdlich laut, sagst du und warm und
sicher umschließt deine Hand die meine.
Ich halte die Luft an. Ängstigen auch sie sich? frage ich dich endlich,
fast ein bisschen atemlos.
Ich weiß es nicht, sagst du irgendwann später, so leise, dass ich es
kaum vernehmen kann: Ich weiß es doch nicht.
Oktober
2009
Es
ist spannend zu beobachten, sagt der Kopf, welche verschiedenen
emotionalen Phasen ich durchlebe in dieser stationären Wartezeit auf
eine Spenderlunge. Vom Pendeln zwischen den Extremen mit Angst und
Hoffnung über eine forsche Sprachlosigkeit, die Heimweh und Abschiede
weder formulieren noch zeigen sondern nur im ganz Geheimen (nach)fühlen
kann über eine Zeit des unbeirrbaren Optimismus zu einer Zeit des Rückzugs
und der Abgrenzung. Momentan sind Stillstand, der zermürbt; Unruhe, die
auffrisst; Reibung, die treibt.
Jede Phase schmerzt anders, sagt der Bauch – und er fühlt und fühlt
und kommt doch nicht hinterher und packt vor lauter Unzulänglichkeit
kleine Gefühlsschächtelchen, Gefühl rein, Deckel drauf, ab in den
Schrank zur Aufbewahrung. Aber gemeinerweise gibt es vielerlei kleine
Krankenhausmonster, die sitzen in den Regalböden der Schränke und
fressen mit Vorliebe kleine Löcher in ebenjene Gefühlskartons.
Pappsatt halten sie sich dann die Bäuche und beobachten die einzelnen
Gefühle, die sich dann durch die Löcher wieder nach außen quetschen
und mich manchmal übermannen und die Aufmerksamkeit erzwingen, die ich
zu verweigern suche.
Und einmal mehr krame ich all meinen Mut zum Durchhalten zusammen, um
den Monstern anderes entgegenzusetzen, auf dass die Gefühle aufgefangen
werden mögen: alte Weggefährten, langjährige Begleiter und neue
Freunde, Liebgehabtes, Zartes und Geknuddeltes; Beobachter, Beschützer
und Bewahrer.
Ich wünsche einen Oktober, in dem Fragen beantwortet, Monster gebändigt
und Gefühle bewahrt werden können – und Wünsche in Erfüllung gehen
mögen.
September
2009

Früher, ganz
viel früher, habe ich immer gedacht, wie schön es sein muss, wenn man
so frei sein könnte, nur mit dem zu leben, was man direkt um sich rum
hat. Wenn man nicht mehr braucht als das, was man bei sich tragen kann.
Früher dachte ich da natürlich an Reisen nur mit Rucksack, Wohnen auf
dem Sprung, ohne feste Wurzeln. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass
ich weder das eine noch das andere je richtig, also ernsthaft,
ausprobiert habe, weil ich ganz schnell gemerkt habe, dass ich wohl
nicht der Typ Schnecke bin. Ich habe sofort mit dem Einzug in meine
erste eigene Wohnung ein paar Wochen nach dem Abitur versucht, aus
dieser Wohnung mehr zu machen als nur ein Dach über dem Kopf, nämlich
ein Zuhause. Meine damaligen Freundinnen schüttelten die Köpfe
und rollten mit den Augen, tobten sich aus in WGs und fremden Städten.
Viele Jahre später erst wurde mir klar, warum das so war: Alle meine
Freundinnen konnten, wann immer und von wo auch immer zurückkehren, zurückkehren
in das Haus ihrer Kindheit, zu ihren Eltern (oft noch beiden
Elternteilen!), in unsere Stadt. Wurzeln eben. Viele hatten, einige
haben bis heute, noch ihre alten Zimmer, in denen heute manchmal schon
Enkel übernachten, wenn sie Oma und Opa besuchen. Bei mir war das
anders: Mein Auszug damals hatte etwas Endgültiges, denn der Haushalt,
wie ich ihn damals mit meiner Mutter und Schwester hatte, löste sich
auf. Meine Mutter heiratete erneut (in einer anderen Stadt), meine
Schwester begann zeitgleich eine Ausbildung (ebenfalls andere Stadt) und
ich begann nach Praktikum und ein bisschen Jobberei mein Studium.
Ebenfalls in einer anderen Stadt. Wohnen aber blieb ich vorerst in der
Stadt meiner Kindheit, meiner Jugend. Wenigstens das! Das ließ sich
bewerkstelligen, weil ich pendeln konnte zur Uni. Es blieb das Gefühl:
Alle anderen hatten noch ein Zuhause, ich musste erst mal wieder eines
schaffen.
Aber mal ehrlich: Welch ein Wahnsinn, nur, weil ich mich nicht trennen,
nicht loslassen, nicht richtig Abschied nehmen und neu, für mich,
anfangen konnte. Das nämlich passierte erst ein Studium, zweimal
Ausland, einmal Referendariat und wieder Jobben, sechs Wohnungen in vier
verschiedenen Orten und alles in allem 12 Jahre später. Zu Hause fühlte
ich mich während dieser ganzen Jahre nie; nie wirklich. So fühlte ich erst, als ich nach
Hamburg kam. Hier hatte ich sofort das Gefühl, angekommen zu sein. Dazu
brauche ich immer noch mehr als ein Dach über dem Kopf, nämlich vor
allem den einen Menschen, der dieses Zuhause
mit mir teilt und die restliche Handvoll Menschen, die dies zu
Hause sein mit mir leben und lebenswert machen. Dazu brauche ich
Gegenständliches, Bücher, Möbel, aber auch Abstrakteres: Farben, Gerüche,
Licht, Stimmungen: Wie es ist, wenn ich den Schlüssel zur Wohnungstür
umdrehe an einem heißen Sommertag und mich das lichtdurchflutete
Wohnzimmer empfängt, wie anders es ist, wenn ich während eines
ordentlichen Regengusses zu Hause in meinem Ohrensessel sitze, das
Fenster weit geöffnet ist und der Regen prasselt und die Luft nach
nasser Erde aus dem Vorgarten duftet. Wie es ist, morgens aufzuwachen
und den ersten Kaffee des Tages zu kochen. Wie das duftet. Das Gefühl,
zu Hause zu sein und ein Zuhause zu haben, könnte ich jetzt noch weiter
in epischer Breite ausführen, lasse es aber tunlichst. Aber gerade
jetzt im Moment schöpfe ich enorme Kraft aus diesem Gefühl, weil ich
hier jeden Abend weiß, was und warum ich es so vermisse und wie
unendlich doll ich mich darauf freue, irgendwann diese Pforten des
Krankenhauses hinter mir lassen zu können und wieder dort zu sein. Zu
Hause. Und bis das so sein wird, mache ich einen auf Schnecke. Reduziere
mich in meinem Umfeld auf das Wesentliche. (Und es ist eine gute
Erfahrung zu erleben, dass ich das kann!) Ich möchte dies Krankenzimmer
nicht heimelig gestalten. Es ist (und soll auch bleiben) eine Übergangsstation
auf dem Weg zurück nach Hause. Ich möchte es hier nicht gemütlich
haben. Ich möchte nicht möglichst viele Dinge von zu Hause hier haben,
die mich erinnern. Ein paar wenige, ja, kleine Gegenstände, ja, aber wirklich reduziert.
In mir trage ich mein Zuhause sowieso. Und weil ich weiß, weil ich fest
daran glaube, auch geografisch dahin zurückzukehren in einem Zustand,
der mich darin auch wieder gut leben lässt, kann ich diese jetzige
Situation (meist) ganz gut ertragen.
Am 04.09. stellen Ihnen Beate Finkenzeller, Wolfgang A. Gogolin, Claus Günther,
Yvonne Naumann, Sabrina Schauer, Tatia Schirrmacher und ich mein neues
Buch auf einer Lesung hier im UKE vor (Ausgesprochenes).
Ebenfalls dabei: Gitarrist Matthias Fehlberg.
Ich wünsche Ihnen einen zuhausigen Monat, wo immer Sie sich auch gerade
befinden.
Heike
Hartmann-Heesch
August
2009

Ich konnte nie
besonders gut warten. Ich werde z.B. immer ziemlich böse, wenn jemand
zu einer Verabredung zu spät kommt. Dann aber gibt es wenigstens einen
Termin, einen festen, und ich kann böse werden, wenn jemand den nicht
einhält (und, nein, ich möchte jetzt nicht darüber diskutieren, dass
man auch „sinnvoll“ warten kann!). Mein jetziges Warten, das
belastende stationäre Warten auf eine Spenderlunge und damit mein Gefühl
für Zeit bekommen eine andere Qualität: Es gibt keinen festen,
abgesprochenen Termin, nur ein paar statistische Werte; ein Spenderorgan
könnte übermorgen zur Verfügung stehen oder erst in sieben Monaten,
Tendenz eher letzteres. Es geht mir nicht sonderlich gut (physisch),
aber trotz allem auch noch nicht wirklich schlecht (psychisch). Viele
Tage gleichen einander sehr, nur ich gleiche mir immer weniger. Trotzdem
halte ich mich ganz gut, vor allem hoffe ich, unbeirrbar zu bleiben.
(Dies Wort brachte ein ehemaliger Freund neulich auf den Tisch, als er
mir zum Schluss in einer Mail innere Ruhe und Unbeirrbarkeit wünschte
– und nicht: gute Besserung. Das fand ich sagenhaft, da haben wir fast
25 Jahre keinen Kontakt und dann wünscht er mir Unbeirrbarkeit. Toll!)
Allerdings merke ich deutlich, dass (und was) von Woche zu Woche weniger
geht; und so ändert sich nicht nur mein Gefühl für zeitliche
Relationen sondern auch für Verhältnismäßigkeiten: Was betrauere
ich, das nicht mehr geht und was hake ich einfach ab? Wie kann ich
meinen kleinen Kosmos hier funktionieren lassen (sprich: Wie mache ich
mich unsichtbar, um nicht unnötig oft aufzufallen und wie schreie ich
gleichzeitig am lautesten, um bloß nicht überhört zu werden)? Wie
gesagt, vieles geht nicht mehr wie früher, und selbst in wirklich guten
Momenten sitze ich hier nicht und schreibe einen Arztroman (Traum meiner
schlaflosen Nächte!) oder ein Drehbuch für eine neue Krankenhaussoap.
Nee, nee, schön wärs. Die Idee zu „Dr. House“ hatte leider der
kanadische Drehbuchautor, Produzent und Regisseur David Shore lange vor
mir – und die kann ich eh nicht toppen. Auch an einem
Erfahrungsbericht arbeite ich nicht – dafür erfahre ich vielleicht
momentan einfach zu viel?!
Etwas Neues zu lesen kann ich Ihnen außer dem im letzten Monat
erschienenen Buch „Zwischen den Schatten“ also zurzeit noch nicht
bieten. Aber anhören können Sie mich mal wieder. Wie auch schon beim letzten
Mal war ich so klug und weise J
und habe einen Text für die Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde
eingelesen, bevor ich ins
Krankenhaus ging, auf dass etwas bleibe, für die Zeit, während
ich hier liege und in der ich es nicht mehr oder wenigstens nicht mehr
so gut kann, atemtechnisch gesehen. Das merkt man leider auch schon ein
bisschen bei „Zum Meer Klammer auf in 4 Bildern Klammer zu“. Ein
bisschen nur und somit macht es nicht viel. Vom 04.-10. August anzuhören
unter www.weblesungen.de.
Danach dann dort im Archiv oder hier auf dem Schreibtisch. Ich bedanke
mich bei Organisator Rüdiger Käßner und wünsche angenehme 8 Minuten
irgendwas.
Den 04. für den nächsten Monat, September, können Sie auch schon
einmal vormerken, denn dann werde ich mein neues Buch vorstellen. D.h.,
nicht ich, das schaffe ich nicht (ich wiederhole mich: atemtechnisch
gesehen), sondern einige meiner tollen Hamburger Autorenkollegen werden
es für mich tun, hier vor Ort, hier im Hamburger Universitätsklinikum
Eppendorf. Im „Raum der Stille“. Dazu später im Monat Genaueres
unter Ausgesprochenes. Schauen Sie also noch mal rein hier.
Ich wünsche einen guten Monat.
Juli
2009: Neue Welten
Und ein
Nachtrag vorweg (10.07.)
Nun ist es also da. Rechtzeitig genug, um noch als Urlaubslektüre mit
eingepackt zu werden: Mein
neues Buch „Zwischen den Schatten“, das ich Ihnen hiermit sehr ans
Herz lege. Schreiben Sie mir doch mal ein paar Zeilen, wenn Sie es
gelesen haben. Eine Leseprobe finden Sie auf dem Schreibtisch, im
nächsten Monat auch eine Hörprobe, und alle weiteren Details wie immer
unter PS. Angenehme Lektüre!
Stichworte
für diesen Monat: Abschied. Heimweh. Würde, meine Würde wahren, das
ganz besonders!
Im Moment jedoch fühle ich mich ziemlich sprachlos.
(Kaum vorzustellen, nicht wahr?) Deswegen schweige ich jetzt erst mal
und versuche, die kommende Zeit ganz anders zu, tja, leben. Und mir
dabei vielleicht sogar ein paar kluge Gedanken mache, was ich auf der
Papiersinfonie ändern kann. Ich möchte das Archiv rausschmeißen und
durch eine andere Rubrik ersetzen, um nicht immer die ganze Heimat-Seite
mit den LungenFortRückSeitSchritten zu füllen sondern diese wieder für
das nutzen kann, für das sie ursprünglich mal geplant war: Ankündigungen
neuer Texte, Bücher, Lesungen und vielleicht mal kleine Anekdoten. Ich
lasse mir was einfallen. Warten Sie es ab.
Für die Zeit. Die nie stillsteht.
Haben Sie einen guten Monat!
Mit Puste, die hoffentlich nie ausgeht.
Juni
2009:
Den
Himmel berühren

Als
so ziemlich das Schwerste an meiner momentanen Situation des Wartens,
des Harrens, des Aushaltens empfinde ich das Schwanken, das Pendeln
zwischen Extremen. Zwischen guten Momenten und ganz schlechten Tagen.
Zwischen Verzweiflung und doch wieder immenser Hoffnung.
Zwischen abgrundtiefer Angst und völliger Ruhe. Zwischen Selbstmitleid
und Mut. Zwischen Trotz und (vermeintlichem) Pragmatismus. Zwischen Betrauern eines Lebens, das war und nicht mehr so
ist, wie es eben war und der Erkenntnis, dass das, was war, schon
ziemlich, ziemlich gut gewesen ist und dem Gefühl, dies nie genügend
zu schätzen gewusst zu haben. Anerkannt zu haben. Genossen zu haben
vielleicht auch.
Ich
realisiere, wie sich Wichtigkeiten verschieben. Wie früher Selbstverständliches
einen ganz neuen Stellenwert bekommt.
Was mich trägt, jetzt, jeden Tag neu, ist Liebe. Was mich hält, sind
Gefühle von Dankbarkeit und Demut. Und eine fast unaussprechliche
Sehnsucht, den Himmel und das Licht zu berühren und zu halten. Ganz
fest zu halten. Immer wieder. Es geht. Kommen Sie, versuchen Sie es mit
mir.
Pusten Sie. Recken, strecken Sie sich. Lassen Sie sich treiben. Ruhen
Sie. Umarmen Sie.
Leben – ist alles.
Mai
2009: Kleine Oasen
Ich stelle diesen Monat
für mich unter das Motto „kleine Oasen“.
Seit fast 10 Jahren lebe ich in einem der schöneren Stadtteile in einer
der schönsten Städte der Welt. In einer Parterrewohnung in einer
ruhigen Tempo-30-Zonen-Einbahnstraße. Mit ein bisschen Rasen und Hecke
vor den Wohnzimmerfenstern. Und Rosenbüschen und einer kleinen
Kastanie, die leider so nah an die Fenster ranwuchsen, dass der Platz für
eine nutzbare Terrassenfläche nicht da war: Zwischen Fenstern und Rosen
war es gerade breit genug für ein paar schöne Terracottatöpfe mit Kräutern
und Tomatenpflanzen. Machte ja auch nichts, ein kleiner Weiher samt Park
war nah für sommerliche Sonnennutzung zur gesunden Teintbildung. War
nah, ebenfalls in Anführungsstrichen. Denn für mich ist er jetzt
unerreichbar, den Weg dorthin schaffe ich allein nicht mehr. Aber wie es
der Zufall (?) so wollte: Der vorvergangene Winter war nass, sehr nass,
bis auf einmal über Nacht die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt
sanken, dort eine Woche verharrten und die Nässe an den Rosenbüschen
gefror. Das hat ihnen grundsätzlich nicht geschadet, allerdings haben
sie aber ihr Gewicht verlagert und sind schwer abgesunken Richtung Straße.
So blieben sie auch, nachdem das Eis getaut war. Im letzten Jahr passte
deswegen schon ein Stuhl auf die Fläche zwischen Rosen und
Fenstern.
Und dies Jahr? Nun,
mit ein bisschen Nachhelfen (entsprechendes Schneiden) und Verlegen von
ein paar alten Platten habe ich jetzt direkt vorm Fenster eine kleine
Oase. Passend für einen Liegestuhl plus einen weiteren Stuhl.
Sauerstoffversorgung nach drinnen inklusive. Ich kann also raus, wenn
ich möchte. Ein bisschen Sonne und Vitamin D tanken. Ohne Rollstuhl,
ich klettere einfach durchs Fenster, das kriege ich gerade so hin.
Klasse, oder? Heimzukommen nach fast 6-monatigen fast ununterbrochenen
Klinikaufenthalten in einen April mit diesem Wetter, und dann auch
einfach draußen sein zu können, haben mir entsprechend gut getan!
Helfen natürlich nicht unbedingt bei den Entscheidungen, die jetzt
anstehen, helfen aber grundsätzlich dabei, mir immer wieder, tagtäglich,
andere kleine Oasen zu schaffen für die Momente, in denen ich sie
dringend benötige. Ähnlich wie die kurzen, guten Momente am
Schreibtisch, die ich auch fast jeden Tag erleben darf.
In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen einen Mai voll mit kleinen Oasen.
Eine davon kann ich Ihnen anbieten und mit Ihnen teilen: Die 4.
Dulsberger MaiRauschen-Lesung gleich am 2. Mai. Unter Ausgesprochenes.
Ich werde dort sein, trotz (oder gerade wegen!) aller Handicaps. Und
viele meiner tollen Kollegen auch. Lassen Sie sich das nicht entgehen.
Das Buch zur Lesung gibt’s wie jedes Jahr zeitgleich, diesmal zum
Thema „Nachspiel“. Hier unter PS.
April
2009: Ist Vergessen auch eine Form von Erinnern?
Ich fasse mich
diesen Monat (verhältnismäßig) kurz, obwohl ich selbstredend wieder
einen Roman schreiben könnte, erspare Ihnen die negativen Entwicklungen
und nenne Ihnen die positiven Veränderungen: Meine Stimme ist wieder
da. Kein Aprilscherz. Einfach so. Ich wachte eines Morgens in Rostock
auf der Intensivstation auf und krächzte plötzlich lauter und nicht
mehr so heiser. Am nächsten Tag kamen meine Worte nicht mehr so
gepresst. Und am Tag drauf sprach ich wieder fast normal. Jemand, der
mich nicht kennt, würde sicherlich bloß denken, ich sei ein bisschen
verschnupft. Gott sei Dank. Ich kann mich wieder äußern. Wieder laut
sein und Laut geben. Gott sei Dank. Sie werden mich also wieder lesen hören!
Das ist ein Versprechen.
Dann habe ich es immerhin ohne erneuten Lungenkollaps nach erneuten 4
1/2 Wochen Klinik schon mal bis in eine Reha geschafft und wachse
bislang täglich mit meinen Aufgaben, indem ich vieles fast von Grund
auf neu lerne: stehen, laufen, mich bewegen, alleine duschen und natürlich
atmen – und fühle mich zum ersten Mal seit Mitte November, als lebte
ich wieder. Ein bisschen. Gott sei Dank! Wie ich „leben“ merke? Ganz
einfach: größtenteils durch die Anstrengung, die ich bei den kleinsten
Kleinigkeiten spüre. Wenn ich Muskelkater habe, nur weil ich 15 Minuten
Armgymnastik gemacht habe. Erstaunlicherweise sind meine Beine ziemlich
fit, auch wenn diese seit Mitte November ja fast ausschließlich eines
getan haben, nämlich nichts. Eine neue Lunge habe ich natürlich noch
nicht. Und es braucht schon ein bisschen Übung und auch ich nenne es
mal Geschicklichkeit, sich zu bewegen, wenn man immer einen Schlauch mit
sich schleppt, an dem man entweder mobil oder stationär mit einem
Sauerstoffgerät verbunden ist.
Und es, das können Sie sich munter vorstellen, ist überaus übel,
durch die Nase atmen zu müssen, wenn man sich einen grippalen Infekt zugezogen hat und die
Nase dicht ist! Wie auch immer, Sie werden mich also nicht nur wieder
lesen hören sondern auch lesen sehen. Auch dies ist ein Versprechen,
denn ich habe nicht vor, mich zu verstecken! Ignorieren Sie dann doch
bitte einfach den Sauerstoffschlauch in meiner Nase, das mobile
Sauerstoffgerät und reichen Sie mir eine Hand, um auf die Bühne zu
kommen – dann kann ich den Rollator unten stehen lassen. Eitelkeit grüßt.
Die Ankündigungen unter Ausgesprochenes.
Und weil ich es besser auch nicht ausdrücken kann, um was es diesen
Monat, früher sowieso und zukünftig auch immer wieder, geht, hier ein
Zitat aus Katharina Hagenas wunderbarem Buch „Der Geschmack von
Apfelkernen“. Eine Besprechung dazu reiche ich Ihnen nach.
„Wurden
nur die Menschen vergesslich, die etwas zu vergessen hatten? War
Vergesslichkeit einfach nur die Unfähigkeit, sich etwas zu merken?
Vielleicht vergaßen die alten Leute gar nichts, sie weigerten sich nur,
sich Dinge zu merken. Ab einer bestimmten Anzahl von Erinnerungen musste
es doch jedem zu viel werden. Also war Vergessen auch nur eine Form des
Erinnerns. Würde man nichts vergessen, könnte man sich auch nicht an
etwas erinnern. Das Vergessen war ein Ozean, der sich um Gedächtnisinseln
schloss. Es gab darin Strömungen, Strudel und Untiefen. Manchmal
tauchten Sandbänke auf und schoben sich an die Inseln, manchmal
verschwand etwas. Das Hirn hatte Gezeiten.“
Ich
wünsche Ihnen einen guten April. Mit vergessen und erinnern. Und immer
wieder: mit atmen und leben.
März
2009: Wenn Zeit zählbar wird
Es geht um
Grenzen. Und Grenzerfahrungen. Weshalb?
Nun: Die rechte Lungenseite hält nicht. Nach dem letzten
Krankenhausaufenthalt nur genau eine Woche. Gerade angekommen in der
Reha an der Ostsee kollabierte sie erneut, Mitte letzten Monats.
Deswegen liege ich in diesem Moment, in dem ich dies schreibe, auch
nicht in Hamburg in der Klinik sondern in Rostock. Wieder an Drainagen,
wieder unter Sog. Fast möchte ich schreiben, das gleiche Spiel
wie zuvor … seit Monaten … zum 3. Mal nun … wenn ich mir dabei
nicht langsam blöde vorkäme, das so zu schreiben. Ja, wirklich, blöde.
Soll ich dies hier etwa als Editorial verkaufen, wenn es eigentlich
nicht mehr ist als ein bestenfalls sentimentaler (nach Mitgefühl
fragender) Blog? So was wollte ich nie! Interessiert es Sie überhaupt?
Es geht um Grenzen. Grenzen des Aushaltens. Grenzen der Mut- und oft
Hoffnungslosigkeit. Grenzen des Glaubens. Und ich kann mich nur
wiederholen: Versagt die Lunge als elementares Organ für Leben, für
Atem, für genug Atem, geht es
um Entscheidungen, die mich ziemlich überfordern. Aber Entscheidungen,
die ich früher oder später treffen muss und die auch niemand anders
treffen kann und darf. Eine neue Lunge gibt es weder im Supermarkt zu
kaufen noch bei e-Bay zu ersteigern. Denn auch darum geht es: Grenzen
des Lebens. Es geht um Endlichkeit. Es geht darum, dass die Sanduhr von
dem Moment an, in dem man sie umgedreht hat, abläuft. Darum, dass Zeit
zählbar wird. Und das ist kein Spiel mehr. Freud war der Ansicht, das
Gegenteil von Spiel sei nicht
etwa Ernst, sondern Wirklichkeit, und dass Menschen in der Spielwelt unbewusst danach
trachten, Situationen zu meistern, die ihnen in der Lebenswirklichkeit
Schwierigkeiten bereiten. In diesem Sinn ist Spiel also nicht nur das
Gegenteil von Wirklichkeit, sondern auch Spiegel, auch Projektionsfläche.
Aber wo befinde ich mich derzeit? Wo kann ich ansetzen? Was wiegt
schwerer - das Geschenk, dass ich 5 Schritte gehen kann, ohne Atemnot zu
bekommen? 5 Schritte!!! Oder der Verlust, nicht einmal mehr 20m mehr
gehen zu können, ohne fast zusammenzubrechen? Vor 4 Monaten konnte ich
noch Rad fahren. Auch hier geht es um Grenzen. Um Verschiebungen. Um
Ziele. Um Umdenken. Um Umblicke, rück- und vorwärts. Um Wertigkeiten.
Im Dezember habe ich mich fast noch ein bisschen lustig gemacht über
die Sauerstoffschläuche in den Nasen von „Dr.-House-Patienten“ im
TV – jetzt benötige ich selbst einen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die
Woche, zu Hause, in der Klinik, beim Essen, beim Tippen, beim Fernsehen
gucken, auf dem Klo und beim Küssen erst recht. Darum geht’s auch: um
Brutalität. Realität. Um verschlossene Türen und die Zweifel, die
manchmal als Gelegenheiten an diese Türen klopfen und die nicht das
Ziel, sondern die Hilfsmittel sind. Wenn ich sie annehme. Annehmen kann.
Und wieder geht es auch um Schönheit und Ganzheit(lichkeit). Um die
Ambivalenz aller Dinge. Genau die finden Sie – wieder einmal – in
den Fotos von Ute Leser. Wenn Sie sich trauen, genau hinzuschauen. Ich
habe mich getraut und ich fühle große Dankbarkeit, dass ich mich ihrer
Fotos bedienen darf; oft drücken diese genau die Gefühle aus, für die
meine Worte nicht annähernd hinlänglich sind. Manchmal sind ihre
Bilder Ergänzung. Manchmal Unterstützung. Aber immer: Bereicherung.
Eine Bereicherung wird auch das neue Buch meines Kollegen Sven-André
Dreyer sein, das diesen Monat erscheint. Im letzten Jahr habe ich Ihnen
sein 2. Werk „Langsamland“ vorgestellt, und ich bin
aufgeregt-gespannt auf sein neues: „Freizeichen“. Sobald ich es habe
lesen können, werde ich es für Sie besprechen. Denn ich spüre, dass
es (für mich) ein Mutpunkt sein könnte. Und ich vielleicht für einen
Augenblick meine momentanen Grenzen vergesse. Auch darum geht es: Um
Fallenlassen und Festhalten.
Hier ansonsten neu auf dem Schreibtisch: Die ganz kurze, aber für mein
neues Buch titelgebende Erzählung „Zwischen den Schatten“ aus dem
letzten Jahr. Zwischen dem Thema da und meinen heute liegen Welten. Und
doch sind es nur ein paar Monate.
Ich wünsche Ihnen einen guten Monat.
Atmen Sie. Leben Sie. Verästeln
Sie sich. Pieksen Sie. Blühen Sie.
Heike
Hartmann-Heesch
Februar 2009
Ich hatte so gehofft, Ihnen diesmal ein richtig frohes, vielleicht sogar
fröhliches Editorial schreiben zu können … Soll wohl leider nicht
sein – obwohl ich versuche, es hoffnungsfroh wenigstens zu schreiben.
Also, kurz und knapp: Doch, die kollabierte linke Lungenhälfte ist
prima stabil geblieben. Alle Narben sind wunderbar verheilt. Nur: Kurz
darauf, Mitte Januar, kollabierte die rechte Lungenhälfte. Plopp.
Einfach so, genau so wie zuvor die linke. Nun liege ich seit Mitte des
letzten Monats wieder in der Klinik, the same procedure as last year, nur mit allen Problemen auf der anderen Seite. Wieder
Drainagen, wieder unter Sog, wieder OP, jetzt immer noch Drainagen und
die Hoffnung darauf, die erste der Drainagen bald ziehen zu können.
Bald. Ganz bald, bitte.
Was mir so sehr am Herzen liegt jetzt: Ich würde gern versuchen, „mit
meiner Lunge noch mehr Hand in Hand zu gehen“. Anders geht es doch
nicht, oder? Ich würde ihr gern so was sagen wie „Hey, ich tue jetzt
alles, damit es dir gut, wenigstens nicht schlechter, geht; ich rauche
nicht mehr, ich mache Atemtherapie, ich versorge mich noch mit zusätzlichem
Sauerstoff, um die Sättigung schön hoch zu halten, ich habe nun schon
sechs Wochen Kortisontherapie hinter mir, ich liege hier nicht wie ein Häufchen
Elend, ich sauge jede positive Kleinigkeit auf, die mir widerfährt (und
das sind viele am Tag!) – könntest du dann vielleicht versuchen,
nicht wieder zu kollabieren? Uns die Chance zu geben, dass wir es
gemeinsam schaffen?“
Ich habe dies eine Bild hier, das ich wieder einmal von Ute Leser
geschenkt bekam (ein dickes Dankeschön!) – sehen Sie die Engel-Flügel?
So zart, verästelt, voll Hunger strecken sie sich aus nach Leben –
und doch, als Bild meiner Lungenflügel, gleichzeitig so vernarbt, so löchrig,
rufen sie nach Leben.
Ein schönes Bild, in seiner Ambivalenz.
Und ich möchte mit meiner Stimme kommunizieren. Ihr sagen, wie toll es
wäre, wenn ich auch wieder laut sein dürfte. Meine Gedanken nicht mehr
nur flüstern könnte. Meine Wünsche, meine Sehnsüchte. Auf dass ich
gehört würde. Aber wer weiß, manchmal liegt ja auch gerade in der
Stille des Wortes die Kraft. Aber wohin dann manchmal mit der Wehmut,
der Traurigkeit, die kommt und geht, wenn ich z.B. ältere eingelesene
Texte von mir anhöre? Werde ich mich wieder so mitteilen können? Für
Sie lesen können? Sprechen? Aussprechen?
Ich wünsche Ihnen einen Monat mit genug Luft: Zum Atmen, zum
Kopffreipusten, zum Sprechen, zum Leben.
Hier neu auf dem Schreibtisch: „Mücken“, eine kurze Erzählung aus
dem letzten Jahr. Eine neue Besprechung unter Lesezeichen reiche ich
Ihnen nach. Und unter PS können Sie schon einmal einen Blick werfen …
auf das Neue. Das neue Buch.
Januar 2009
Verbringt man sechs
Wochen im Krankenhaus, von denen man drei Wochen das Bett nicht
verlassen kann, bleibt auf jeden Fall eines: Zeit.
Zeit zum Nachdenken, Zeit für Besinnung darauf, was wirklich wichtig
ist. Kann man dann noch nicht einmal sprechen, findet man
andere Möglichkeiten der Kommunikation, um
sich verständlich zu machen, und es bleibt: Dankbarkeit.
Dankbarkeit für kleine liebevolle Gesten, Dankbarkeit gegenüber
Menschen, die einen nur ansehen und wissen, was man benötigt. Versagt
die Lunge als elementares Körperorgan für Leben, bleibt sie auch nach
einer erneuten OP über lange lange Tage nicht von alleine stabil,
bekommt das den Beigeschmack einer Entscheidung, die man selbst scheinbar nicht mehr in der Lage ist zu
treffen. Wenn dann, buchstäblich von einer Minute zur anderen, die
medizinischen Apparaturen anzeigen, dass auf einmal doch keine Luft mehr
in den Pleuraspalt gelangt und damit die Ausdehnung der Lunge nicht
mehr verhindert, sodass diese für die Atmung doch vielleicht
wieder zur Verfügung steht, kann man schon ein bisschen paranoid werden und möchte
am liebsten alle drei Minuten nachschauen, ob dem auch tatsächlich so
ist, weil man es fast nicht glauben kann und die Angst vor Enttäuschung,
vor Rückschlag, so immens groß ist – und dann scheue ich mich nicht,
die Worte kleines Wunder in
den Mund zu nehmen. So habe ich es empfunden. An jedem der Tage, an
denen die Drainagen gezogen waren und meine Lunge wieder alleine in der
Lage war zu arbeiten. Zu atmen. Zu leben. Mir Leben zu schenken. Wie
gebrochene Erde, aus der das Leben neu erwachsen darf.
Was bleibt, ist die Angst, dass dieser Zustand nicht zu halten sein wird. Damit lerne ich jetzt umzugehen. Und, in großer Dankbarkeit und
auch ein bisschen Demut, um ein weiteres kleines Wunder zu beten, obwohl
das sogar vielleicht schon ein bisschen vermessen anmutet: dass auch
meine Stimme wiederkommen möge.
Hier neu auf dem Schreibtisch: Der kurze Text „Gott und ich oder:
Enten füttern verboten“.
Ich wünsche Ihnen ein friedvolles, gesundes Jahr 2009 mit vielen
kleinen oder größeren Wundern.
Mit dem Vertauen darauf, dass auch Regenschauer ihr Gutes haben, da nach
ihnen oft neues Wachstum möglich ist. Mit dem entsprechenden
Sonnenschein.
Mit der Gewissheit, dass es für alles seine Zeit gibt.
Heike
Hartmann-Heesch
Dezember
2008
Bislang dachte ich, das Schlimmste, das einer Autorin
passieren könne, sei eine Schreibblockade. Schreibblockade, pah!
Peanuts! Ich weiß jetzt, was schlimmer ist: Keine Stimme mehr zu haben!
Momentan kann ich nur flüstern - und
selbst das Flüstern klingt noch heiser. Wie soll ich je wieder vorlesen
können? frage ich mich im Moment ziemlich verzweifelt.
Warum ich nur noch flüstern kann? Hm. Nun, mach einer
Routineuntersuchung (Bronchoskopie) im Krankenhaus kollabierte meine sowieso schon
angeschlagene Lunge (deshalb ja die Untersuchung) – allerdings erst drei Tage später, als
ich schon aus dem Krankenhaus entlassen war, zu Hause auf den Befund
wartete, der ca. eine Woche später kommen sollte und ich mich arg
wunderte, dass es mir stündlich schlechter als besser ging.
Dann kam Atemnot.
Und dann versagte die Stimme.
Ich also zurück ins Krankenhaus, Notaufnahme und binnen einer Stunde
lag ich auf dem OP-Tisch. Und nun bin ich ohne Stimme und bettlägerig.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der linken Seite zwischen zwei Rippen
die Drainage, die meine Lunge wieder dazu bringen soll, auf normale Größe
„zurück zu wachsen“, auf der rechten Seite die ganzen Braunülen für
Antibiotika, Kochsalzlösungen und weiteren Infusionen. Nicht zu
vergessen das Sauerstoffschläuchchen in der Nase (und hinter den Ohren
festgeklemmt), welches bei „Dr. House-Patienten“ immer so nett
dekorativ ausschaut. Ich kann Ihnen versichern: Es ist weder dekorativ
noch nett – nur eben manchmal gesundheitlich verdammt nötig. Und:
Mein Aktionsradius beschränkt sich momentan also auf ca. einen Meter
rund ums Bett.
Also: Wie gut, dass ich die Erzählung „Heimkehr“ für die
Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde schon im Oktober eingelesen
habe. Die können Sie sich dann vom 16.-22.12. unter www.weblesungen.de
anhören. Danach dort im Archiv. Und natürlich neu hier auf dem
Schreibtisch zum Selbstlesen. Oder auch in der Anthologie
„Weihnachtsgeschichten für Erwachsene“ (siehe PS). Unter PS
ebenfalls neu: Das Mohland-Jahrbuch 2008.
Ihnen jetzt wünsche ich erst einmal eine friedvolle Adventszeit, frohe
Weihnachten und einen guten Start für 2009. Ich mache mich jetzt rar, kümmere
mich um meine Lunge und komme im neuen Jahr zurück: Hoffentlich gesund
(wenigstens gesünder), auf jeden Fall aber mit neuer Energie, einem
neuen Buch und hoffentlich mit gewohnter ALTER Stimme.
(Was für ein Roman! Goethe wars, glaub ich, der gesagt
haben soll: Ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen).
November
2008
Im
Herbst des vergangenen Jahres waren mein Mann und ich eine Nacht zu Gast
auf der Burg Hornberg (ja, die, auf der auch Götz von Berlichingen 45
Jahre seines Lebens verbrachte). Dabei entstand dieses Foto. Schauen Sie
genau hin, was dort fleucht und flattert ... Schöne Einstimmung auf den
November, nicht wahr?
Wer fürchtet sich vor „Novemberblues"? Ich jedenfalls nicht!
Denn es gibt: viele tolle Lesungen und Veranstaltungen (Ausgesprochenes), neue Bücher (PS) und hier auf dem Schreibtisch einen
brandneuen Text („Zum Meer"). Meer? War ich nicht gerade noch in
den Bergen rund um die Burg?
Oktober
2008
Nun ist es
kaum noch zu ignorieren: Der Herbst ist da. Die Tage scheinen wieder kürzer
zu werden, aber eigentlich sind sie ja nur länger dunkel. „Es gibt
keine Finsternis an sich, sie ist nur ein Mangel an Licht“ lässt
Jostein Gaarder seine Sofie in „Sofies Welt“ sagen. Und was kann
mehr Licht schaffen in trüben Tagen als große Gefühle? Jetzt schon
als kleine Einstimmung auf die Novemberlesungen
stelle ich Ihnen unter Lesezeichen das unlängst als Taschenbuch
erschienene Werk „Gut gegen Nordwind“ vor.
Oder blättern Sie doch ein bisschen in der in diesem Monat
erscheinenden Anthologie „Erste Liebe" (siehe PS),
herausgegeben vom KulturStammtisch Dulsberg als Projekt zur Dulsberger
HerbstLese 2008.
Außerdem werde ich in diesem Monat noch einmal zu Gast bei Rüdiger Käßner
sein, der seit 2001 die Weblesungen für die Hamburger Kulturbehörde
organisiert. Ich werde, nein, keinen Herbsttext einlesen sondern – ich
traue mich kaum es zu tippen – schon einen
adventlich-vorweihnachtlichen. Schließlich werden Sie ihn sich ja auch
erst im Dezember anhören können …
Weitere Termine unter Ausgesprochenes.
Ich wünsche einen bunten Herbst mit Kürbissuppe, Apfelchutney, selbst
gestrickten warmen Wollsocken und
Indian Summer (auch mitten in der Großstadt)!
September
2008
Die letzten Augusttage
zeigen sich hochsommerlich: sonnig, warm und trocken. Gedanken an den
bevorstehenden Herbst kommen erst langsam.
Für mich ist der Herbst oft eine Zeit des Umbruchs gewesen.
Entscheidende Veränderungen in meinem Leben manifestierten sich
seltsamerweise immer im Herbst; und diese Veränderungen waren
oft verbunden mit Wehmut, mit Abschiednehmen (und dies noch gar nicht
wollen), mit Loslassen (und dies vielleicht noch gar nicht können).
Immer schien die vermeintliche Leichtigkeit des Sommers zu Ende zu
gehen.
In diesem Herbst werde ich (auch) mit viel Dankbarkeit zurückblicken: „Herbstzeitlose",
hier neu auf dem Schreibtisch. Zum Lesen und Anhören. Oder lesen Sie meine Herbstgedanken nach
im Text „Das
Geschenk" in „Der Rattenfänger"
(siehe PS).
Ebenfalls unter PS: Der Live-Mitschnitt der Lesung vom
Mai im Hamburger STZ - jetzt als Hör-CD! Und auch die neue
Matthias-Fehlberg-CD ist nun endlich erhältlich! Unter Ausgesprochenes
die ersten Termine der Herbstlesungen!
August
2008
Da!
Schauen Sie
genau hin! Ich habe es für Sie gesucht!
Und aufgestöbert! Gefunden!
Das Sommerloch!
Passen Sie auf, dass Sie nicht hineinfallen!
Ich kann es sicherlich nicht ganz füllen, aber doch wenigstens ein
bisschen:
Diesen Monat erscheint die Anthologie „Begegnungen 2008“ der
editionleselust (siehe PS). Meinen Beitrag dafür „Im nächsten
Leben“ können Sie auch auf dem Schreibtisch nachlesen. Aber natürlich
können Sie ihn sich auch anhören, wenn Sie das lieber möchten.
Wiederum aus dem Live-Mitschnitt meiner Mai-Lesung im Hamburger STZ.
Sogar ohne Versprecher.
Außerdem erscheint diesen Monat die 21. Ausgabe des Magazins „Verstärker“
zum Thema „Schein“. Lassen Sie sich die nicht entgehen, genauso
wenig wie die dazu veranstaltete Lesung in Berlin am 23. August (Ausgesprochenes). Ich werde dort
sein!
Fotoimpressionen dann ebenfalls unter Ausgesprochenes.
Haben Sie einen guten Monat – ohne allzu viele oder wenigstens nicht
so große Löcher.
Juli
2008
Diesen Monat
gibt’s was auf die Ohren. Und es gibt ein paar Dankeschöns.
Wie schon im Juni angekündigt, können Sie vom 01.-07.07. meinen Text
„Im Winter trägt man morgens um 6 keine Sonnenbrille“ aus dem Buch
„Vertrauenssache“ auf den Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde
anhören. Link dorthin auf dem Schreibtisch. Danach wandert der Text
dort ins Archiv. Mein Dank gilt Rüdiger
Käßner, der seit 2001 die Weblesungen organisiert.
Dann bedanke ich mich bei Thies
Stein. Er hat den Text „Die Zeit steht still“ (aus dem Buch:
„Der Rattenfänger…“), aus dem ein kleiner Ausschnitt auf der CD
„Blues Between the Lines“ von Matthias Fehlberg erscheinen wird, in der
Studio-Version bearbeitet. Den gesamten Text können Sie sich ab sofort
hier auf dem Schreibtisch anhören. Matthias
sage ich danke dafür, dass er den Text so sehr mag, dass er ihn auf seiner CD
musikalisch begleitet.
Und ich bedanke mich bei Thomas
Stelter. Er hat meine Mai-Lesung im Hamburger STZ aufgezeichnet.
Hier davon zu hören: „Post an
von Paul“ (schön spöttisch in der Vorleseversion!), ebenfalls auf
dem Schreibtisch.
Und jetzt gibt’s
noch was für die Augen. Dieter
Aipperspach hat eine Interpretation zu meinem Text „Gefallener
Engel“ (auch aus „Der Rattenfänger…“) gemalt, die mich sehr berührt.
Auf zweierlei Weise zu betrachten, also „von oben und von unten“.
Hier die Version „von oben“. Auch dafür danke.
Ich wünsche Ihnen einen guten Monat!
Juni
2008
Wir schreiben den einunddreißigsten
Tag im fünften Monat des zweitausendundachten Jahres. Des Herrn,
meinetwegen. In Hamburg ist Hochsommer ausgebrochen. Ich war auf einer
Veranstaltung und habe ungefähr zum vierundzwanzigeinhalbten Mal den „Sonnenbrillen"-Text
gelesen. Siehe Schreibtisch und Ausgesprochenes. (Den Sie sich übrigens
ab dem ersten Kalendertag des siebten Monats unter Weblesungen.de anhören
können.) Es war sehr heiß. Danach habe ich im Park in der Sonne
gelegen und hundertdreiundzwanzig Seiten des Buches „Die
Bücherdiebin" gelesen. (Darüber schreibe ich Ihnen eine
Besprechung. Demnächst. Unter Lesezeichen.) Ich habe dies Buch nicht
gestohlen sondern zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich bin ein Jahr älter.
Es ist jetzt genau siebzehnuhrdreiundfünfzig und die deutsche
Fußballnationalmannschaft bestreitet ihr letztes Testspiel vor der EM.
(Darüber werde ich nicht schreiben.)
Ich klinge gelangweilt? Oh nein. Nur ein bisschen ausgepowert. Deswegen
die ganzen „demnächsts"
in diesen Zeilen.
Aber: Den kurzen anderen Text „Ganz
anders" können Sie sich ab sofort auch anhören. Aus einem
Livemitschnitt meiner Lesung vom fünften fünften dieses Jahres. Mit
allen Versprechern, der Aufregung, aber auch dem Applaus. (Auf dem Schreibtisch.)
Dankeschön. Und ich verweise noch einmal auf den Videomitschnitt der „Vorspiel"-Lesung.
Damit Ihnen nicht langweilig wird. (Unter Ausgesprochenes.)
Meine Tomatenpflanzen vor dem Wohnzimmerfenster haben schon jeweils vier
Blüten. Und Ihre???
Mai 2008
Upps, nun haben wir schon Mai. Die Tage
sind länger. Stimmt natürlich nicht, die Tage sind nur länger hell,
das scheint mir wesentlich.
Klicken Sie mal auf Ausgesprochenes. Für die jetzt hoffentlich
lichtdurchflutete Zeit stehen einige spannende Lesungen mit noch
spannenderen Themen an: Grenzgänge, Vorspiel, Umbruch...
Meinen Text „Die Fremdgängerin" im Rahmen des „Vorspiels"
finden Sie auf dem Schreibtisch. Allerdings erst am Tag nach der Lesung.
Ich möchte Ihnen die Pointe ja nicht vorher stehlen. Die Anthologie mit
allen Texten zum Thema erscheint übrigens zeitgleich zur Lesung.
Näheres unter PS.
Und, falls Sie die Lesung verpasst haben sollten, unter Ausgesprochenes
eine Videodokumentation.
April 2008
Kennen Sie das? Fragen Sie sich auch
manchmal, warum Sie gerade das tun, was Sie tun? Oder, schwerwiegender
vielleicht noch: Ob das, was Sie tun, eigentlich das Richtige ist? Mich
jedenfalls haben in den letzten Wochen oft solche Fragen beschlichen.
Dazu passt, hier neu unter Lesezeichen, das Büchlein „Briefe
an einen jungen Dichter" von R.M. Rilke. Und, neu auf dem Schreibtisch,
der ganz kurze Text: „Ganz
anders". Er erscheint zeitgleich in der April-Ausgabe des Magazins „Kurzgeschichten".
Siehe PS. Unter Ausgesprochenes die neuesten Lesetermine.
Ich wünsche einen zauberhaften Frühling.
März 2008
Mit der Eröffnung vom Café Leonar und
dem Jüdischen Salon am Grindelhof hier in Hamburg kehrt ein Stück
Kultur zurück in das ehemalige jüdische Viertel um die
Talmud-Tora-Schule. Meinen Beitrag „Der Koch als
Heiratsvermittler" darüber finden Sie in der März-Ausgabe von „Das Viertel" und hier auf dem Schreibtisch.
Ebenfalls neu auf dem Schreibtisch: Der von der Jury als bester Beitrag preisgekrönte Text
des Mohland Jahrbuchs 2007: „Und mein Herz ist offen"
(siehe Presse unter PS).
Unter Ausgesprochenes können Sie die ersten Fotoimpressionen der „Rattenfänger"-Lesung
anschauen.
Ansonsten: Die Veränderungen hören nicht auf: Ab April wird es das
Stadtteilmagazin „Das Viertel"
nach fünfeinhalb Jahren aus verschiedenen Gründen
nicht mehr geben. Was mich sehr bestürzt. Sehr. Es fühlt sich für
mich an wie unter einem Gewitterguss. Und momentan mag ich gar nicht
daran glauben, dass ja bekanntlich nach und aus Regen viel Neues
erwachsen kann. Drücken Sie also bitte die Daumen.
Ende Januar / Februar 2008
Nun ist das neue Jahr schon fast einen
Monat alt und wieder einmal finde ich es erstaunlich, wie viele
Veränderungen sich in so kurzer Zeit manifestieren...
Hier neu: Eine
Besprechung. Denn wenn Sie endlich mein (ja nun schon nicht mehr ganz) neues Buch „Der
Rattenfänger" gelesen haben (oder mich auf meiner Lesung am 04.02.
daraus vorlesen gehört haben - siehe Ausgesprochenes -), dann
besorgen Sie sich unbedingt das zweite Werk des Autors Sven-André
Dreyer „Langsamland".
Unter Lesezeichen vorgestellt.
Januar 2008
Mein Viertel, DAS Viertel, ist
international. Hier können Sie sogar die Metropolitan Opera in New York
besuchen. Wo? Das sagt Ihnen mein Januar-Artikel in „Das
Viertel". Nachzulesen unter „The
Metropolitan Opera goes HOLI..." auf dem Schreibtisch.
Außerdem: Zwei Buchbesprechungen meines neuen Buches unter PS.
Ich wünsche uns ein friedvolles und vor allem gesundes 2008.
Heike Hartmann-Heesch
Dezember 2007
Wir
können es nicht mehr ignorieren: Das Jahr neigt sich dem Ende...
Schokoweihnachtsmänner und Engel aller Variationen in den Läden
(bereits seit Mitte September), Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen
und Weihnachtsmärkte (bereits vor dem Ewigkeitssonntag) und, halten Sie
sich fest, ein 6er-Pack hart gekochte, bunt gefärbte Eier im Sonderangebot (gesehen in
einem Reklameblatt eines deutschen Lebensmittelkonzerns am letzten
Novemberwochenende)...
Das
Jahr geht zu Ende...
Hier neu: Ein Artikel über den Verein SOS Kinderdorf e.V., der auch
hier bei uns im Viertel seit 25 Jahren Beratungs- und Betreuungsangebote
für Kinder, Jugendliche und Familien anbietet, denen es in unserer
schnelllebigen Zeit oft an Orientierung und Perspektiven mangelt. Unter „Jungen
Leuten helfen" auf dem Schreibtisch.
Mir bleibt nur zu sagen: Haben Sie, so möglich, eine besinnliche
Adventszeit.
Genießen Sie Abende bei Kerzenschein und Tee. Lassen Sie sich nicht
hetzen und nicht stressen. Bleiben Sie bei sich. Legen Sie eine schöne
CD auf. Lesen Sie ein neues Buch. Meines zum Beispiel. „Der
Rattenfänger und andere Grenzgänge". Ab 11.12. zu erhalten. Nähere
Informationen unter PS... Oder das Romandebüt „Auf
einen Schlag" von
Florian Tietgen. Im Archiv.
Und: Klicken Sie doch mal auf den Nikolaus. Dort finden Sie meinen
Beitrag für einen besinnlichen und bewussten Advent.
November 2007
Wer
sagt, diese Jahreszeit sei dunkel, kühl und trübe?
Ich jedenfalls finde, es ist die Zeit für ganz große Gefühle. Und um
die gehts in „Post
an von Paul". Auf dem Schreibtisch. Und in der Oper „Aelita" geht es ebenfalls darum - um große
Gefühle jenseits von Zeit und Raum. In der aktuellen Novemberausgabe
von „Das Viertel" stelle ich Ihnen den Hamburger
Aelita-Musiktheater-Verein e.V. vor. Unter „Die Liebe auf dem Mars,
Oper „Aelita" im Hamburg-Haus" hier inzwischen im Archiv nachzulesen.
Ende September
/ Oktober 2007
„Enge
wird und duftet bang und bitter
Diese Welt, dem Lichte abgewendet.
Rüsten wir uns auf das Spätgewitter,
das des Lebens Sommertraum beendet!"
So schrieb Hermann Hesse 1947.
Was ich schreibe, 60 Jahre später, lesen Sie unter „Das
Geschenk" auf dem Schreibtisch.
Und: Seit über 40 Jahren gibt es in Hamburg-Eimsbüttel das „Hamburg-Haus",
ein Kulturzentrum für alle Einwohner des Bezirks, unabhängig von
Alter, Einkommen und Interessen. Den Bericht darüber finden Sie in der
Oktober-Ausgabe von „Das Viertel".
Unter Ausgesprochenes die Fotoimpressionen der 2. Glinder Autorennacht.
Ende
August / September 2007
Kurz und knapp:
Vor genau einem Jahr startete das Hamburger Magazin „Das
Viertel" eine Serie, in der bekannte und weniger bekannte Autoren
aus „dem Viertel" (also: unserem! meinem!) aus ihrer subjektiven
Sicht über „ihr" Viertel schreiben. Meinen Beitrag „Vogelperspektive"
dazu finden Sie in der aktuellen September-Ausgabe. Und hier nachzulesen
ebenfalls auf dem Schreibtisch.
Ich wünsche einen angenehmen Spätsommer (oder Frühherbst, ganz, wie
Sie mögen).
Juli
/August 2007
300000 Kinder, vom Säugling bis zum
Jugendlichen, werden laut Dunkelfeldstudien in Deutschland pro Jahr
sexuell missbraucht. In der aktuellen Ausgabe von "Das Viertel"
stelle ich Ihnen den Verein "Zündfunke e.V." vor, der sich um
Aufklärung und Prävention bemüht. Hier nachzulesen unter "Wenn
Kinder um Hilfe rufen" auf dem Schreibtisch.
Ansonsten: Foto-Impressionen einer Open Air Lesung unter Ausgesprochenes
und unter PS neue, na, was wohl, Reklame.
Juni 2007
Hier neu unter Lesezeichen: die
Rezension eines der faszinierendsten Bücher, das ich in den letzten
Jahren gelesen habe!
Mai
/ Juni 2007
Wie
bunt und facettenreich Leben ist, konnte ich in den letzten vier Wochen
mal wieder überdeutlich erfahren. Und wie sich die vermeintlichen
Gegensätze von Geborgenheit und Angst, Heimat und Fremde, Gesundheit
und Krankheit, Atmung und Atemlosigkeit und auch Leben und Tod doch
immer wieder neu vereinigen.
Wie reich das Leben sein kann, wenn man sich darauf einlässt. Wie
bereichernd, wenn man neue Erfahrungen machen darf und neue Wege
beschreiten kann, zu denen einem vielleicht vorher lange der Mut gefehlt
hat.
Hier neu: Eine Erzählung auf dem Schreibtisch und kleinere
Veränderungen unter Ausgesprochenes, Pinnwand und PS.
Ende April 2007
Und soll ich analog zum letzten Eintrag
sagen: Der Sommer ist da? Nö. Stattdessen gebe ich Ihnen lieber
eine kleine Illu meines Mannes, die die Lage hier in Hamburg so
beschreibt: „An und in der Elbe Auen drängen die Fischköpfe zur
Freiheit, zur Wonne. Es gibt ein Leben nach Windjacke, Schal und
Handschuhen." Wie wahr.

Und ich stelle Ihnen ein
tolles Hamburger Projekt für Kinder/Jugendliche zwischen 9 und 14
Jahren des Vereins „Hamburger Kulturbrücke e.V." vor:
„Switch
- Eine Weltreise in 4 Tagen". Kinder-Botschafter für mehr
Freundschaft, als Chance für Vorbehaltlosigkeit. "Wie Koreaner
essen". Auf dem Schreibtisch.
Ende
März / Anfang April 2007
Der Frühling ist da. Fast ohne Vorwarnung.
Der Frühling ist da. Deshalb ebenfalls neu hier: „Und mein Herz
ist offen", eine Liebesgeschichte, und ein „April"-Beitrag
auf dem Schreibtisch. Und, ganz passend zum Frühling, die Rezensionen
im Archiv: ein Buch über die Liebe und das Glück und zwei winterliche
CDs.
Zu guter Letzt: „Im Winter trägt man morgens um 6 keine
Sonnenbrille", eine neue Leseprobe aus meinem Buch „Vertrauenssache". Der Text wurde im März zum Publikumssieger
auf der Offenen Bühne im Hamburger Literaturcafé Mathilde gewählt -
zum Thema „Frühling" natürlich. Und mit Glück können Sie
sich diesen Text auch bald hier anhören, aus einer Aufzeichnung der
Radiosendung „Radio Blattgold - Literatur zum Anfassen" aus
dem vergangenen Jahr. Wenn ich kapiert habe, wie ich das technisch
bewerkstelligen kann.
Und denjenigen, denen jetzt im Frühling (oder wann auch immer...)
Reisegefühle im Buch kribbeln, empfehle ich die Anthologie „Unterwegs".
Unter „Lesezeichen".
Februar 2007
„Man tötet einen Geschichtenerzähler damit, dass man ihn auf die
Wahrheit verpflichtet. Die Wahrheit bleibt dem Ernst des Erzählenden überlassen“,
sagte der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel. Viel Spaß bei der
Entdeckung von Wahrheit und Fiktion in meinen Texten.
Und wenn Sie lange genug hier auf der „Papiersinfonie“ blättern,
werden Sie auch wissen, woher der Name kommt und was er ursprünglich
einmal für mich bedeutete… J
Heike
Hartmann-Heesch, 02/2007
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